Die Wunder und Mysterien des lebenden Bodens


#1

Alle reden immer vom Bodenleben!
Aber was ist das eigentlich, und wieso ist es denn wirklich so wichtig?
Hier ein kleiner Einblick!

###Der Nährstoffkreislauf der Natur

Also wie wir ja wissen, nutzen Pflanzen das Sonnenlicht als Energie, um CO2 Moleküle aufzuspalten und einfache C-Ketten, verschiedenen Zuckern, daraus zu bauen. Was Photosynthese genannt wird.

Was weniger bekannt ist, ist dass bis zu 50% dieser Zucker zu den Wurzeln und in den Boden ausgeschieden wird - als einfache Zucker, Kohlenhydrate oder Proteine - immer in unterschiedlichen Zusammensetzungen, je nachdem, welchen Nährstoffbedarf die Pflanze gerade hat!
Denn diese so genannten Exudate sind Futter für die mikrobielle Population im Wurzelbereich, mittels derer die Pflanze die Vermehrung der Arten fördert, die die gerade benötigten Nährstoffe am freudigsten abbauen.

Wissen wir, welche das sind? Nein.
Sind wir dran? Ja.
Ergebnisse?
Mit dem DNA-Sequencing, das heutzutage fiebrig betrieben wird, kommen Studien wie eine ganz neue, die die geschätzte Anzahl der Spezies der Erde in die Billionen treibt, wovon gut 90% Mikroben sind - ein grafischer Vergleich, wie sich diese Schätzung & Einteilung in den letzten Jahren verändert hat:


Also viel Spass beim Rausfinden!! Abgesehen davon, dass man grad auch erkannt hat, dass Mikroben DNA mit anderen austauschen können und sich so zB an Änderungen der Umgebungsvariablen schnelltens anpassen :smiley:

Um zu gärtnern müssen wir das aber eh nicht so genau wissen, denn die Natur hat das schon über Jahrtausende als ausgeklügeltes System aufgebaut. Es reicht, der Pflanze die richtigen Bedingungen und eine maximale Vielfalt an zuträglichen Mikroben zur Verfügung stellen, sie pendeln sich dann selbst ein, orientiert an der Pflanze, die sie bewirtet. Auf diese Weise sind in den letzten Jahren große Flächen komplett ausgelaugter Böden, bei denen nicht einmal noch-mehr-Dünger+izide mehr halfen, saniert und zu gesunden Böden mit hohen Erträgen regeneriert worden :slight_smile:

Aber zurück zu den Mikroben!
Die Bakterien und Pilze sind die Kumpel, die die Nährstoffe erst mal ansammeln - sowohl aus dem organischen, als auch aus dem inorganischen Material im Boden. Dann kommen Protisten und Nematoden, und auch Würmer und Gliederfüßler (wie zB Bodenmilben), und fressen die Bakterien und Pilze.
Aber ihr Nährstoffbedarf ist anders austariert als das ihrer Beute, also wird der Nährstoffüberschuss - ausgekackt. :grin:
Und DAS ist dann der pflanzenverfügbare Nährstoff, direkt bei der Wurzel deponiert, wo sie direkt aufgenommen werden kann.
Saubere Sache! Nix fliesst in unsere Flüsse und versaut dort die Fische, wie wir das mit NPK-drüberschütten so glorreich schaffen (über 90% geht verschütt von dem, was auf die Felder aufgebracht wird, hab ich wo aufgeschnappt!?)

Die Natur sichert natürlich mehrfach ab, also sind die Fresswege diversifiziert, es kann auch eine Nematode ein Flagellat essen oder eine Raubnematode eine wurzelfressende Nematode sich schnappen, bevor sie überhaupt eine Wurzel zu Gesicht bekommt.

So entsteht ein Netzwerk des Fressens und Gefressenwerdens, das schematisch so dargestellt werden kann:

Das wissen wir.

Es wurde auch ganz spezifisch der Stickstoffkreislauf studiert, der als exemplarisches Beispiel steht für die Vielfältigkeit der Prozesse die im Boden alles selbst regulieren, wenn wir sie nur lassen würden. :smiley: (dazu vielleicht ein andermal, muss ich selbst nochmal nachlesen)

Und wir wissen, dass die förderlichen Mikroben überwiegend unter aeroben Bedingungen gedeihen, im Gegensatz zu den Krankheitserregern, die meist unter anaeroben Bedingungen zum Zuge kommen.
Nicht zu sagen, alle anaeroben Zustände seien schlecht! Die Anaeroben sind die Helden unserer Müllmisere, immer wieder lese ich von Einzelspezies, die gezüchtet werden um Plastik, Erdöl (das selbst von solchen Anaeroben mit gemacht wurde), Metalle… zu verarbeiten…
Aber schlecht für das Gedeihen gesunder Pflanzen :wink:

Wir wissen auch, dass Sukzession der Pflanzenwelt direkt mit einer Sukzession im Boden zusammenhängt, bei dem sich immer mehr Kohlenstoff anreichert und damit das darin lebende Ökosystem immer mehr ins fungale verschiebt.

Eine sehr vereinfachte, aber schön verdeutlichende Darstellung:

Was also brauchen wir, um gesunde Pflanzen zu growen?
Licht, Luft, Wasser, Boden und eine für die jeweils gewünschte Pflanze gut ausgewogene Mikroherde.

Und es muss nichtmal so genau oder perfekt sein! Pflanzen sind schon bemüht weeeiit bevor die Bedingungen im Boden ideal sind.

Da hab ich im Frühjahr ein Beet in meinem Gemüsegarten untersucht und war wirklich schockiert, denn ich hatte bereits 3 Jahre tapfer trotz Nacktschnecken fett aufgemulcht und flächenkompostiert, und mind 1x jährlich den Boden mit der Grabgabel belüftet (nicht gewendet!) — und dort auch sehr lästig viel tragende Zuccchini wachsen gehabt… aber das Bodenbild, es sah aus, wie auf dem Sukkessionsbild ganz links, theoretisch hat das alles dort gar nicht wachsen können haha

Da ist mir auch klar geworden, was für bescheidene und großzügige Kreaturen Pflanzen eigentlich sind, was die alles mitmachen, bevor sie dann wirklich aufgeben!

Naja, meine Pflanzen waren auch nicht ganz gesund, und der Nährstoffgehalt wird wohl auch nicht soooo überragend gewesen sein. Richtig gesund und nahrreich (und für uns so gesundheitsfördernd wie sie eigentlich wären) sind sie dann, wenn das Bodenleben auf der Sukkessionsskala soweit ist, dass es ein Verhältnis von 1:1 in bakterieller zu fungaler Biomasse aufweist.

Das ist übrigens auch die Sukkessionsstufe unserer geliebten Cannnabis :sunglasses:
Vielleicht mag sie es sogar ein bisserl bakterieller (da streiten sich die Geister noch), zumindest in der Wachstumsphase. So ganz genau wissen wir das, wie so vieles anderes, noch nicht :grin:


Spezielle Grow Erde aus dem Baumarkt - Eure Meinung und Anregungen bitte!
#2

Super Überschrift …und klasse geschriebener Text.
Kann man recht gut verstehen. :grin:

Freue mich auf die weiteren Kapitel die da noch folgen mögen. :yum:


#3

Danke Dir, calli.
Das könnte ein Ausgangspunkt für eine Diskussion
werden. Ich selbst komme allerdings erst später da-
rauf zurück. :wink:


#4

Ja danke fürs feedback - hatte zum Schluss ein bissl das Gefühl, mich verlaufen zu haben :grin:

Ja zu euch beiden!
Her mit den Einwänden und Fragen haha
Und “Kapitel” klingt so ein bisserl nach “der Beitrag zum Mikroben-Mittwoch” - dann muss ich aber auf “Bodentante” umbenennen :joy:
Aber immer wieder ein bisserl aus dem Nähkästchen plaudern, das könnt mir gefallen.

Zum Beispiel die Sache mit den Bakterien!

###Speziesgruppen für jede Wetterlage
Die Populationen ändern sich ja auf der Spezies-Ebene andauernd mit Veränderung aller Variablen - Temperatur, Sauerstoffgehalt, und Feuchtigkeit.
Ein paar Grad kälter? Und es springen zuvor “ruhende” Bakterien auf die Bildfläche, die das mögen, während die Wärme-liebenderen allmählich ihre Aktivität einstellen.

Solange die Veränderungen graduell erfolgen, können die Mikroben damit klar kommen, und sterben nicht, sondern gehen auf standby, vorzugsweise in einem kuscheligen Aggregat oder der Pore eines Bimssteinchens :grin: (nein ich will nicht provozieren Lonnemoh, haha ist mir nur so grad als Beispiel in den Sinn gekommen)

Das ist auch so bei Trockenheit. Da passiert was Spezielles: die Bakterien hüllen sich mit einer Lage Wasser (Notproviant!) ein in einer Substanz, die hydrophob ist. Wenn es immer trockener wird, verbrauchen sie dann die Reserve, die sie um sich eingehüllt haben (es könnte ja immer noch regnen, ist doch cool was!!), und dann erst geben sie auf und gehen in ihren Winterschlaf (denn es ist anstrengend, in diesen schlaf, und v.a. wieder raus zu kommen, je größer der Mikroorganismus desto mehr)
Durch die hydrophobe Materie, die aber im Boden verbleibt, wird es schwieriger, den Boden wieder zu rehydrieren. UND die Bedingungen müssen sich erst weisen, dass sich die Mikroben dazu bequemen, wieder aktiv zu werden. Aus reiner Überlebenslogistik.

Abhilfe im Freien schaffft eine gute ständige Bodenbedeckung, am besten lebend, und in unseren Töpfen sollten wir auch totales Austrocknen vermeiden, wenn wir eine aktive Bodengesellschaft für unsere Pflanzen haben wollen :wink:

Und wenn wir es mit Heruntergetrocknetem zu tun haben, ist es klug, die Zeit und Wagnis dieser Wiedererweckungsaktion mit einzuberechnen. Bei der Pflege eines lebendigen Bodens muss immer die Zeitachse mit berücksichtigt werden, Dinge brauchen Zeit, ganz wie im echten Leben :smile:


#5

Ich möchte auch etwas Senf dazugeben. :joy:

Wer meint, in einer Growbox oder in einem Growzelt ließen
sich natürliche Verhältnisse nachbilden, irrt. Während es
beim Licht noch halbwegs möglich scheint (obgleich es in-
door immer zu wenig ist!), fehlen bei der Luft schon einige
Faktoren.
Beim “Boden” sind die Unterschiede dann gewaltig. Jeder,
der mal eine Zimmerpflanze den Sommer über nach drau-
ßen gestellt, oder gar im Garten eingepflanzt hat, wird die
teilweise explosionsartige Wachstumszunahme bemerken.
Das natürliche Bodenleben lässt sich in Töpfen nicht nach-
bilden!
Man kann sich aber dem ein bisschen annähern, wenn man
zu seinem Medium auch größere Mengen belebten Bodens
gibt (wie frischen Kompost oder guten Gartenboden).
Organisch anbauen ist gut, aber das setzt belebten Boden
voraus.


#6

Supi liebe Bodentante^^ …dann mal weiter. Die Schule ist eröffnet. :grin:


#7

@Teatime

…tönt es lange noch:
“Salamander lebe hoch!”


#8

Große Klasse, das liest sich wirklich spannend! :thumbsup:

Ja, das scheint wirklich ein großer Durchbruch zu sein (die Grafik ist der Hammer). Nach meinem Verständnis werden da sämtliche DNA-Stränge in einer Bodenprobe (oder auch einem Abstrich des Menschen) bestimmt, ohne dass man sich die Mühe macht, die Viecher da einzeln rauszuprökeln. Richtig soweit?

Hab darüber neulich ein sehr gutes Buch gelesen:

Bernhard Kegel
Die Herrscher der Welt: Wie Mikroben unser Leben bestimmen
ISBN-13: 978-3832163617

Da geht es auch um das Mikrobenleben (Mikrobiom) in uns Menschen, das ist unglaublich abgefahren. Und WIE wichtig und entscheidend Mikroben für praktisch sämtliches Leben auf der Erde sind, wird uns offenbar auch erst jetzt so langsam klar … da ist noch viel spannendes zu erwarten!

Sukkession

Der korrekte deutsche Begriff wäre wohl Sukzession. Siehe:

Sonst keine Einwände :slight_smile:

der Beitrag zum Mikroben-Mittwoch

Super Idee! Weitermachen! :grin: :thumbsup:


#9

Boah, Flashback in die Kindheit! Wie cool, danke für diesen schönen Fund!


#10

Ma vielen Dank für die Korrektur! Habs auch im Text revidiert. JA, das Problem bei mir ist dass ich das alles auf Englisch lerne und zwar viele deutschsprachigen Begriffe überprüfe (v.a. inhaltlich, zB dass ma im Deutschen nimmer Protozoen, sondern bestenfalls Protisten sagt - ebend weil die Differenzierungsmethodik sich von rein morphologisch zur DNA Analyse weiterentwickelt hat und das sich oft nimmer deckt), der ist mir aber ausgekommen rechtschreibmäßig :smiley: Kann immer wieder mal vorkommen, bitte danke für die Hinweise!

Und danke auch für den Link zur Erklärung v. Sukzession, sehr fein!

Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie die das machen :sweat_smile:
Aber klingt danach, dass sie gecheckt haben, dass im Labor künstlich gezüchtetes nicht unbedingt Ergebnisse liefert, die auch nur entfernt was mit der Realität “dort draussen” zu tun haben! Denn dadurch sind ja sehr sehr viele Irrtümer entstanden, die dazu beigetragen haben, dass wir den umweltzerstörerischen Weg gegangen sind, den wir gegangen sind.

Das Buch klingt sehr spannend!! :smiley:

JA, das ist ja auch einer der Gründe, wieso die mikrobiologische Regeneration unserer Böden so unglaublich wichtig ist - unsere eigene Gesundheit! Es werden nun immer mehr Krankheitsbilder darauf zurück geführt, dass uns einerseits die Mikroorganismen, die eigentlich Kooperationspartner für viele wichtige Prozesse in unseren Körpern sind, abgehen.
Pasteur war ja gut gemeint, aber eines der massivsten Irrtümer, nämlich dass alle Bakterien schlecht sind (wie tw. sogar noch heute geglaubt wird), ist genau dadurch entstanden, dass man sie auf Agar u.ä. im Labor gezüchtet hat, was aber anaerobe Bedingungen waren, womit halt leider nur einen Haufen Anaerobe glücklich waren - die ja oft wirklich Krankheitserreger sind!

Und die Gebrechen, die massiv zunehmen weil uns einfach die Nährstoffe in unserem Essen fehlen. JA wieso denn? Weil die Pflanzen nurmehr mit NPK gefüttert werden und die anderen Mikronährstoffe (von denen uns bis heute nicht einmal bewusst ist, wie wichtig sie für wahrlich gesundes, vitales , Wachstum sind), die sonst eben vom Bodenleben in den Kreislauf gebracht werden, nicht mehr für uns verfügbar sind weil wir diejeneigen, die uns das liefern würden, systematisch vergiftet und erstickt und zerfetzt haben.

Billiges Essen, ja… die brauchen wir, damit das Volk selbstzufrieden bleibt in der Illusion, am Reichtum der Welt teilzuhaben… aber es sind keine LEBENSmittel mehr, die wir da in Aldi und co so schön billig bekommen.
Und das traurige ist, “bio” ist auch nicht viel besser, weil es ja vorschriftsgemäß nur auf syntethische Zusätze verzichtet - es wird weiterhin gepflügt, es wird Gülle gesprüht, und auch noch dem letzten Pilz die Freude am Herbereiten des Bodens genommen…

Was wir brauchen, sind ungewendete, begrünte Böden, wie der bayrische “Wurmbauer” Sepp Braun das seit Jahren macht, sogar mit Traktor - die aber immer kleiner werden, denen er den Druck aus den Reifen nimmt, um die Verdichtung nochmal zu minimieren (abgesehen davon, dass er nur sehr selten über seine Äcker fährt). Mmmm, seinen Boden möcht ich mir mal anschauen!!

Das ist es ja, ma muss nicht jeden landwirtschaftlichen Betrieb permakulturell komplett umgestalten (wobei Diversifizierung trotzdem, vom Blickwinkel der Nahrungssicherheit, langfristig weise wäre), und mal 10 Jahre auf Erträge verzichten. Ma kann gleich aussteigen, aus dem Radl an Gift und Schulden und kränkelnden, minderwertigen Herden und Erträgen.
Innerhalb einer Wachstumssaison kann ein komplett kaputter Acker mit Mikroorganismen wiederbelebt werden, teilweise mit ausschleichendem synthetikzeugs, aber immer mit so starker Ertragssteigerung (bei gleichzeitiger Einsparung bei Düngemitteln und Treibstoff), dass ma eigentlich dann es sich erst leisten kann, tatsächlich die ersten paar Hektar auf förderliche Mischkultur umzustellen und die Bäume dort mal wachsen zu lassen.

Und der belebte Boden ist so viel mehr in der Lage, Überschüssiges aus der Luft zu binden, dass irgendwer ausgerechnet hat: wir müssten WELTWEIT nur eine Fläche in etwa in der Größe von Australien haben, bei der der Boden völlig gesund ist - und wir könnten den Klimawechsel stoppen. :astonished:
Ma ich erschaudere jedes mal, wenn ich daran denke.

Es wäre so leicht, so viel Misere auf der Welt zu eliminieren, nur dadurch, dass wir die Vielfalt in unsere Böden zurück bringen!!!


#11

Ja sobald wir etwas in Töpfen anbauen, können wir uns nur noch annähern, nicht replizieren, und der Aufwand wird immer größer sein als draussen.
Das liegt v.a. daran, dass der offene Austausch mit dem umliegenden Boden fehlt, der sonst auch als Feuchtigkeits- und Temperaturpuffer dient, und auch das Ökosystem ein cutoff hat (bei mir im Schrank ist noch kein Igel durchspaziert, und die Amseln, die hie und da in der alten Wohnung hereinkamen, hab ich dann doch nicht eingeladen, in meinem Schrank ein bissl zu scharren lol), so sehr die Leut sich Gosttesanbeterinnen, Marienkäfer, und sonst was in ihre Räume/Gewächshäuser reinholen (was ja cool ist!).
Dein Einwand zur Luftqualität find ich sehr anregend (werde aber trotzdem versuchen, dem nicht nachzugehen, haha, da kann ma sich sicher auch nochmal ordentlich verrückt machen und ich bin schon verrückt genug? :stuck_out_tongue_closed_eyes:)

Dennoch ist das letzte Wort in Bezug auf Pflege eines belebten Bodens in künstlicher Umgebung noch lange nicht gefallen, und ich würde das nicht so absolut formulieren :sweat_smile:

Wo die ganzen “true living organics” Leute dran sind, ist das Ausprobieren diverser Ideen, wie ma am besten eine Annäherung erreicht, und ja der Anspruch eines sich selbst versorgenden Systems ist dabei auch mit dabei.
Das war auch mein Anspruch, als ich angefangen hab zu growen und mir gedacht hab, das was ich draussen mache, muss doch irgendwie innen auch gehen?
DEN müssen wir, so sehe ich das heute, tatsächlich loslassen.
Aber die Annäherung ist möglich und machbar!

Ich bin zwar grad dabei, doch nochmal die Erde von meiner Pineapple Express wiedezubeleben, weil ich Freundschaft geschlossen habe va mit der Taubnessel, die sich dazu gesellt hat

  • und arbeite somit wieder mit dem Prinzp Begleit- bzw. bodendeckenden Pflanzen weiter, aber schlussendlich komme ich immer mehr zum Schluss, dass wir einfach unsere Töpfe (befüllt mit einem gut ausgewogenen und belüfteten Substrat) immer wieder mit Mikroorganismen innokulieren müssen werden, je kleiner der Topf und der Growspace, desto öfter. Da in solchen Situationen Erwärmungen der Topferde, zu schnelles Austrocknen, oder vorübergehend anaerobe Zustände durch zuviel des Giessens am schnellsten eintreten können.
    Meine nächsten paar Grows möchte ich deshalb auch mikroskopisch begleiten, um da evtl. zu einem größeren Verständnis zu kommen… :grin:

So hatte sich das Bodenleben in besagtem Topf zum Schluss ziemlich zurück gezogen, weil ich die Erde etwas austrocknen liess. Nachdem sie aber wieder angehehm feucht war hat sich die Bodenbiologie schon etwas erholt, soweit, dass es wert ist, mittels top-dressings - also auf die Erdoberfläche aufgebrachte Beigaben - die Erde wiederaufzubauen. So bekommt der Topf dieser Tage eine schöne Schicht Wurmkompost, bei dem ich gestern erfreulicherweise gesehen habe, dass das bakteriell-fungale Verhältnis bei 1:1 ist. Obwohl ich etwas irritiert war, keine Nematoden zu sehen - aber die sind eh in der Topferde - wird dieser Kompost trotzdem die Bodenverhältnisse verbessern, da die Topferde ein Verhältnis von 0,2 hat - trotz dem, dass darin immer wieder Pilze spriessen.

Das alles unter Vorbehalt, da ich ja noch dabei bin, die Methodik der morphologischen Boden-ökosystem-analyse zu erlernen und, so wie das halt bei Natur so ist, ich momentan noch immer wieder in Situationen gerate, wo ich noch nicht weiss, wie man damit umgeht, um trotzdem aussagekräftige Daten zu erhalten - und das nächste live Q&A mit Elaine Ingham abwarten musss, um diese Fragen zu klären. Noch bin ich selbst ja auch noch Anfängerin, aber Übung und so!
Denn für meine Zertifizierung muss ich dann beweisen, dass ich die Situation auf zu verbessernden Böden richtig erkennen und interpretieren kann, Komposte, die als Innokulanzien tauglich sind, herstellen kann, deren Einbringung überwachen, und v.a. die gewünschten Ergebnisse/Wirkungen imstande bin, herbeizuführen.

Also beginne ich im Kleinen, während ich auch schon dabei bin, in meinem Gemüsegarten die Bedingungen zumindest in eine gute Richtung zu verschieben, auch wenn der Kompost, den ich heuer gemacht habe, weit entfernt von ideal ist. Denn er enthält trotzdem Mikroorganismen, die der Boden sonst nicht so hat (in dem Fall sind es v.a. Nematoden! Wunderbare, vielfältige Arten!), und wird somit die Bodenherde bereichern, auch wenn er ansonsten in manchen Bereichen schwächelt.
Schrittweise, mit dem was möglich ist, aber immer machen, und aus dem Grübeln und theroetisieren heraustreten, denn jeder auch nur kleinste Schritt, den wir machen ist wertvoll! - ist meine Devise.

Ups! Hab die Zeit aus den Augen verloren und muss nun aber schleunigst los! :joy:
Schönen Tag!! :blush::v:


#12

Eine Thematik, die nicht nur Grower betrifft, sondern
unser ganzes landwirtschaftliches System.
Um für Töpfe das bestmögliche Startklimas zu haben,
kam mir folgende Idee:
Ich werde mein Medium ein paar Wochen, bevor es
benötigt wird, mischen, dann ein Loch im Garten gra-
ben und es dort einbringen. Nach so drei bis vier
Wochen fülle ich von dort die Töpfe.


#13

Klasse Vortrag wieder :grinning:

Meine nächsten paar Grows möchte ich deshalb auch mikroskopisch begleiten, um da evtl. zu einem größeren Verständnis zu kommen

Da bin ich gespannt. Demnächt will ich mir auch ein Mikroskop zulegen. Die Preise für Digitalmikroskope sind ja unglaublich gefallen. Vor ein paar Jahren war sowas nur dreistellig zu kriegen (mit höchstens 640x480 pixel :grin:)

Einen PILZ im Blumentopf habe ich auch noch nicht gesehen. :mushroom: :hushed:


#14

Sicher interessant, mal auszuprobieren, v.a. da du ja outdoor bist und somit die klimatischen Verhältnisse ähnlich. Je nachdem, was du in deinem Medium so anbietest, könnten so einige zuwandern…

Aber wenn du einen richtig guten Boden hast, reicht es eigentlich auch, ein paar Handvoll davon in dein Medium mit reinzumischen, wenn du es anmischst, gleich in die Töpfe und dort sich stabilisieren lassen (v.a. was die Pilze angeht).

Oder noch besser die Handvoll in jenen Wurmkompost geben, der immer bei dir sein will und gegen den du dich weiterhin sträubst (? haha) :wink:


#15

@calliandra

Tja, wenn…
Reiner Sandboden und bei der Renovierung des Hauses
(vor unserem Einzug) wurden etwa 20 cm 08/15-Boden
aufgebracht. In unserem Kleingarten sieht’s nicht viel bes-
ser aus. Ich werde halt mein Medium so mischen, dass
ein gewisses Speiseangebot vorhanden ist.
Wenn ich die Pflanzen “geerntet” habe, nehme ich immer
den Ballen auseinander, zur Begutachtung. Die noch ver-
bliebenen Hornspäne waren alle von einer weißen Schicht
überzogen - es war also schon noch Bodenleben vorhan-
den (was mich ein bisschen darin bestärkt, mein Medium
doch recht passabel gemischt zu haben :wink:).

Das stimmt so nicht.
Generell finde ich die Wurmkomposterei gut, aber einige
Fragen, die ich diesbezüglich habe, sind noch nicht ge-
klärt.


#16

Ah, aber wenn du Mikroorganismen anschauen willst, brauchst ein Durchlichtmikroskop mit Kondenser und Iris- bzw Lamellenblende zum Schattieren. Sonst kann ma die Mikroben nicht sehen
Die sind dann wieder dreistellig :sweat:
So sieht meins aus:

Das einzige, das ich an meinem auszusetzen habe, ist die eingebaute Digitalkamera - das würde ich heute nimmer machen, sie ist nämlich nicht sooo super und wenn ich die mal tauschen will, werde ich das ganze Kopfteil mit einem trifokalem ersetzen (also 2 Rohre zum reinglotzen und ein drittes oben für die Kamera).
Nicht falsch verstehen, sie ist voll funktional für das was ich brauche - und gut so, wurde ja schliesslich von meiner Lehrerin empfohlen als Minimal-variante :sunglasses:

Essbare Pilze wären halt gut - omg ich muss mal schauen, wie es einem Freund von mir geht - das letzte mal als wir gesprochen haben wollte er versuchen, Pilze (shitake glaub ich) und Cannabis in einem Topf zusammenwachsen zu lassen :joy:


#17

@calliandra
Ich habe ein Steromikroskop, allerdings nur mit 15-facher
Vergrößerung. Damit habe ich den Boden noch nicht un-
tersucht, werde es aber nachholen. Ich denke aber, dass
die Vergrößerung nicht reichen wird und derzeit habe ich,
sollte Geld ins Haus flattern, andere Prioritäten.
Wegen der Wurmgeschichte werde ich Dich separat be-
helligen. :wink:


#18

ahh nein damit wirst eh nicht froh werden, wenn ich dich richtig verstehe, sind die Auflicht, nicht Durchlicht (=also Licht von unten, das wird dann eben mittels Blende reduziert um die Kontouren hervorzuheben)

Und eben nachdem ich hier nun immer öfter Kompost ins Gespräch bringe, muss ich wohl nun “B” sagen und den Kistenthread starten – hab heut grad meine Würmer gefüttert und das ganz brav schön fotodokumentiert für Euch - demnächst auch hier im Forum hihi :grin:


#19

Ja, das Stereomikroskop ist nur für Auflicht gedacht
und ein anderes ist derzeit nicht in Sicht.
Danke, dass Du einen Wurmthread starten willst;
solltest Du Unterstützung brauchen, helfe ich gern.


#20

haha ja, ich seh schon, wir werden dort uns so richtig austoben :joy:
heut aber nimmer, bin heut so richtig KO von zuviel Stadterledigungen :sleeping: