Die alte Novemberwette: drei Spätzünder im Garten

Setup: Garten, Komposterde, Mist, Brennesseljauche

Beginn: 11.4.2026

Ende: wohl irgendwann zwischen Sankt Martin und Nikolaus

strains:
- World of Seeds Wild Thailand
- World of Seeds Kilimanjaro
- ACE Seeds Thai Chi

Vorgeschichte: Letztes Jahr war es verblüffend zu sehen, wie so mancher strain, der als ziemlich problemlos für outdoor gilt und spätestens im Oktober reif wird, Probleme mit Schimmel bekam- während die „waghalsigen Experimente“, also deutlich spätere strains, die nicht ausdrücklich für deutsches Kilma empfohlen werden, den trüben Herbstanfang quasi unbeeindruckt überstanden, daraufhin das bessere Wetter in der ersten Novemberhälfte ausnutzen konnten, und schließlich mit vertretbaren Krankheitsschäden in der Erntezeit „ehrenhaft entlassen“ werden konnten.
Ist es denn so, dass die typischeren Sativas, obschon später reif als viele andere strains, aufgrund ihres Terpenprofils und der lockeren Blütenstruktur einfach per se viel unempfindlicher gegen das nasskalte Wetter sind? Natürlich würde man keine reine Thai- Landrasse, mit Erntezeit im Januar, in einen deutschen Garten setzen- zumindest nicht, wenn etwas dabei herumkommen soll. Aber wenn Wild Thailand von World of Seeds sogar im Wald funktioniert…

…warum dann nicht noch viel besser im Garten? Und da gewisse standard- outdoor- strains und bereits erfolgreich getestete Anwärter darauf quasi auch genauso gut im Wald gedeihen, habe ich zwei ebenbürtige Mitstreiterinnen für die Dame vorgesehen und jeweils noch einen Samen von Thai Chi und Kilimanjaro bestellt. Der Oktober wird den dreien nur schwer genügen! Hoffen wir also auf einen milden und sonnigen Herbst.

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Kilimanjaro sei eine kenianische Landrasse, die bei World of Seeds als reine Sativa aufgeführt ist. Grower vermuten aber auch indica- Einschlag… Sie hat recht dicke, schwere Blüten, nicht allzu schmale Blätter, und ist bei der Schimmeltoleranz eher medium. Die Wirkung sei zwar anregend, wie es sich für diese Kategorie gehört, aber das interessante bei der Kilimanjaro ist zum einen die Psychoaktivität, zwar weniger legendär als z.B. bei Malawi, aber eindeutig vorhanden, und zum anderen die „ermutigende“ Komponente, wodurch der strain angeblich bereit für die Jagd auf die gefährlichsten Tiere macht und sogar gut gegen PTBS und ähnliches sei. Das gewisse Schimmelrisiko weist für mich aber darauf hin, dass wir es hier noch nicht mit einem Brillianten zu tun haben, sondern noch etwas weiter schleifen müssen, wenn sie uns jedes Jahr Freude bereiten soll! Es muss vielleicht ein früher reifender, möglichst absolut schimmeltoleranter Kreuzungspartner her. Für mich ist das dieses Jahr die Thyphoon von Nordic Genetics. Leider ist sie nicht besonders psychoaktiv, und möglicherweise sind die Kerle schon tot, wenn Kilimanjaro endlich empfängnisbereit ist. Aber einfach mal probieren!

Wild Thailand hatte ich wie erwähnt schon letztes Jahr (und vorletztes, aber an einem miesen Platz), und war damit recht erfolgreich. Wie man auf dem Bild oben erkennen kann ist das nicht die extrem schmalfingrige Thai, die man vielleicht von anderen Anbaugebieten kennt. Dies sei laut breeder eine genetisch nicht veränderte Inselsorte aus Südthailand. Paradoxerweise kommen die viel später reifenden, schmalblättrigen Kennersorten eher aus den nördlichsten Provinzen… Jedenfalls ob reine Landrasse oder nicht, ich glaube sehr viel näher kommt man an eigenes Thai- Gras aus heimischem Freiluftanbau nicht heran. Sie fängt schon wichtige Charaktereigenschaften ein, könnte aber natürlich noch ausgeprägter sein. Vor allem das psychoaktive konnte ich mit meinen Methoden bislang nicht richtig zur Geltung bringen. Sehr sympathisch ist auf jeden Fall die Klimafestigkeit, die ich so nicht erwartet hatte. Ich spiele daher schon mit dem Gedanken, sie einfach mal als reguläre zu bestellen, statt irgendwie zu verbastardisieren für eine frühere Blüte. Die feminisierten Samen habe ich alle vom breeder geschenkt gekriegt; da sind jetzt noch ein oder zwei übrig- mega.

Thai Chi ist hier quasi ein Sonderfall: der breeder gibt ganz klar verschiedene Eltern an; es handelt sich also um eine Hybridsorte. Ein Teil Chiang Mai Sativa, also quasi der heilige Gral, für uns Deutsche wohl erst nach weiteren zwanzig, dreißig Jahren Erderwärmung für den Außenanbau zu erwägen, und der andere Teil Kali China, eine Indica, die auf ACE’s alte China Yunnan zurückgeht. Letztere hilft natürlich dabei, die Blütezeit stark zu verkürzen, und trägt zum High vor allem viel Euphorie bei. Ansonsten wirkt der strain sozial, rein geistig und besinnlich. Die Pflanze wächst eher verzweigt in die Breite als steil hoch hinaus, ist ziemlich robust, und kann in der Blüte schöne rötliche Töne entwickeln. Grower sind begeistert, vom High vor allem auch, aber leider ist ACE die Weitervermehrung irgendwie fehlgeschlagen, und es gibt quasi nirgendwo mehr Samen. Ich habe noch einen der letzten in Griechenland bekommen…

Am Samstag abend habe ich den ersten Schwung Samen für '26 gewässert und Sonntag abend dann in 0,5L Pötte in torfarme Anzucht-/Kräutererde gesetzt. Unsere drei Kandidaten waren auch dabei, und erheben bereits ihre Köpfchen. Thai Chi war die erste heute morgen!

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