Düngen mit Kaffeesatz?


#1

Laut folgendem Link enthält der Kaffeesatz einige wichtige Stoffe. Hat es einer schon probiert ? Wäre es ein Experiment wert ?

https://www.gartentipps.com/kaffeesatz-kostenloser-duenger-fuer-freiland-und-topfpflanzen.html


#2

klingt sehr interessant. Vor allem der punkt, dass nicht überdüngt werden kann. wäre auch interessiert ob da jemand erfahrung hat. wäre ja ein wirklich kostenloses Mittel bei meinem kaffeekonsum


#3

Auch Jungpflanzen kann man mit Kaffeesatz überdüngen.
Mußte ich grade meiner Frau erklären, warum die jungen Spinatpflanzen die Köpfe hängen lassen.:see_no_evil:


#4

okay gut zu wissen. aber man könnte das ja mal vorsichtig versuchen. die geschichte mit dem ph wert klingt ja so erstmal auch nicht verkehrt. ich werde das an meiner " wiedergefundenen dame" einfach mal austesten. hab da ja so nichts zu verlieren. und dünger braucht sie aufjedenfall


#5

Ich muss meine Mädels ohnehin am Freitag nächster Woche Umtopfen. Da kommt einfach der Kaffeesatz dazwischen. Ich werde berichten (zwei von 4 lasse ich ohne Kaffee - dann habe ich genauen vergleiche)


#6

Hauptsache ist ordentlich durchgetrocktnet,Rate davon eher ab…


#7

Kann man machen, muss man aber nicht. :wink:
Setzt ganz gern mal Schimmel an und wenn man’s übertreibt besteht die Gefahr das das Substrat zu sauer wird. Ich hau meinen Kaffeesatz auf den Kompost oder in meine Gartenbeete (Hält Schnecken und Katzen fern). Aber bei meinen Mädels nutz ich den nicht.


#8

wie gesagt, ich hab bei meiner kleinen dame so gut wie nichts zu verlieren. ist keine 20 cm groß und hat bereits die Blüte eingeleitet. also werde ich sie als Versuchskaninchen benutzen.


#9

Also so definitiv wie die das im Artikel darstellen, ists mal nicht - de facto ist vieles, was Kaffeesatz angedichtet wird, keineswegs bewiesen oder restlos geklärt, und sogar teilweise widersprüchlich oder gar falsch.

So hat eine Beobachtungsstudie der Oregon State University 2009 sogar ergeben, dass Bohnen viel schlechter gewachsen sind mit als ohne Kaffeesatz, aufgetragen im Freiland als Mulchschicht im Herbst des Vorjahres (http://extension.oregonstate.edu/lane/sites/default/files/CoffeeGrdTrial.pdf) :joy:
Wobei mir die Studie in mehrfacher Hinsicht nicht gefällt - keine Angabe zur Art von Bodenanalyse, die zu den genannten Daten führt, keine Analyse der Bodenmikrobiologie, ausschließliche Beobachtung des Stickstoffs - aber ohne jegliche Untersuchung der Knöllchenbildung oder nicht an den Pflanzen - was in Bezug auf Stickstoffhaushalt bei Leguminosen äußerst relevant wäre… :rolling_eyes:

In einer anderen Zusammenfassung, unter dem Dach der Washington State U veröffentlicht (https://research.libraries.wsu.edu/xmlui/bitstream/handle/2376/6122/FS207E.pdf), werden die Ergebnisse mehrerer Studien zusammengefasst, wobei höchste Vorsicht vor Verallgemeinerung der Ergebnisse walten sollte!! Zb die Studie, bei der Kompostwürmer von Kaffeesatz gestorben sind… ich hatte jetzt grad die Nase voll von der Überprüferei, bin aber sicher, dass das Experiment mit extremen Bedingungen gearbeitet haben muss, zB ausschliessliche Verwendung von Kaffeesatz oder sowas Bescheuertes. Denn ich füttere meine Würmer schon seit einem Jahr immer wieder eine Handvoll Kaffeesatz -zusammen mit Gemüse- und Obstresten, sowie Holzhäcksel, Laub, Karton… also max. ca 1/20stel der Fütterung - und meine Würmer sind pumperlgesund, rundum happy, und vermehren sich ohne Unterlass.

Also zurück zu den basics. Wenn wir auf der Grundlage unseres Wissens um die natürlichen Vorgänge über Kaffesatz nachdenken, ist die Kaffeebohne ein Samen und hat daher einen eher hohen Stickstoffgehalt, wird also von Bakterien als Futter verwendet.
Und wenn hoch Stickstoffhaltiges von ihnen verarbeitet wird, besteht die Gefahr, dass die Bakterien in overdrive gehen, sprich sich aufgrund des hohen Nahrungsangebotes sehr schnell vermehren, was zu Erhitzung der Erde führt (schlecht für die Wurzeln, die mögen nicht gekocht werden).
Die erhöhte Aktivität führt auch zu erhöhtem Sauerstoffverbrauch, und wenn die Ankurbelung ausreichend ist, kann ma seinen Boden (vorübergehend) ins Anaerobe treiben, was je nach Ausmaß zu Erkrankung bis Tod der Pflanze führen kann.

Deswegen werden auch beim Erde recyclen Zugaben wie Luzerne, Seetang, etc. ein paar Wochen liegen gelassen, bevor die Erde wieder für Pflanzen verwendet werden; es ist ein mini-kompostiervorgang, den ma da anleiert.
Bei der no-till Methode hingegen, wo die Erde in den Töpfen bleibt, werden Ergänzungen in sehr kleinen Mengen immer nur auf der Oberfläche (oft unter einer die Verhältnisse stabilisierenden Mulchschicht) aufgetragen, also eher wie im Wald, wo immer wieder kleine Mengen organischer Materie während der Wachstumsperiode auf den Boden fallen und vom Bodenleben eingearbeitet werden.

Ich würde daher vom Untermischen des Kaffeesatzes, in die Erde, wenn sie sofort bepflanzt werden soll, außer in sehr kleinen Mengen, abraten.
Lieber vorher Kompostieren.
Und wenn direkt verwendet, lieber auf der Oberfläche aufgebracht, in kleiner Menge, am besten gemischt mit anderen Zutaten, die das niedrige Stickstoff-zu-Kohlenstoff Verhältnis (ca. 10-20:1) ausgleichen (also mit “Holzigem”, das ein hohes Verhältnis -100-300:1 - hat).


#10

Noch ein Nachtrag:
Wie alle gekochten oder stark erhitzten “Lebensmittel”
neigt auch Kaffeesatz zum schnellen Schimmeln. Ich
würde ihn nie direkt einbringen, auch nicht in stark be-
lebten Boden (und der Boden in Töpfen ist an Boden-
leben immer mehr oder weniger arm). In Wurmkom-
postern dient er zur Senkung de pH-Wertes, aber ich
denke nicht, dass Du Dir jetzt groß mit Fachwissen
rund ums Kompostieren aneignen willst.