Die Welt der outdoor- Sorten ist ja noch relativ klein, wenn man in Deutschland draußen anbauen will. Manche Sorten funktionieren gut, aber stellen beim Rauchen nicht völlig zufrieden, andere sind viel cooler, aber die Ernte fast eher Glückssache, und manche sind in allem ziemlich gut, aber eben noch nicht perfekt.
Es wird die Zeit kommen, wo jeder outdoor- Grower in Deutschland sortentechnisch voll auf seine Kosten kommt! Wir haben schon mal Glück, dass wir in dieser Zeit leben, wo der Herbst meist etwas freundlicher ist, die Samen leicht zu bekommen (wenn auch bei gesalzenen Preisen), und die Gesetze etwas gelockert. Jetzt geht es darum, sich gut geeignete Genetiken zu sichern, oder diese sogar selber weiter zu verbessern, je nach persönlichem Geschmack oder nach erkannten blinden Flecken in den seedshops.
Hier könnt ihr eure Vermehrungsprojekte zusammentragen, Erfahrungen mit geeigneten regulären Sorten oder mit feminisierten möglichst reinerbigen Kreuzungspartnern austauschen, und euch einfach gegenseitig bereichern, was das Züchten von outdoor- strains betrifft!
Ich nehme als Beispiel aus meinem Vermehrungsprogramm mal die south african Kwazulu.
Letztes Jahr war ich verblüfft, wie gut sich die etwas späteren Sativas mit Erntereife ab Ende Oktober geschlagen haben… Groß, weitgehend gesund, und spannender weil konsequenter in der Wirkung als diejenigen strains, die man nur anbaut, weil sie früh reif sind.
Meine south african Kwazulu gehörte definitiv dazu! Wo ist also hier der Haken? Ich würde sagen, Ende Oktober lässt sich nicht überall in Deutschland leicht umsetzen, und selbst in meiner etwas wärmeren Gegend nicht jedes Jahr. Also ist es leicht möglich, dass man Kwazulu irgendwie unreif ernten muss, oder sie tatsächlich in der zweiten Hälfte der Blütezeit eingeht.
Trotzdem hat mir 2025 gezeigt, dass es gelingen kann, und deswegen schicke ich sie bald mal als reguläre an den Start, um eigene Samen zu gewinnen. Fünf Exemplare müssten ausreichen, damit es Samen gibt. Wenn das Wetter total mies wird, oder am spot ein Unglück passiert, bleiben mir dann ja immer noch fünf Samen in der Packung für einen zweiten Versuch.
Als energetisch wirkende, reinerbige 100% Sativa eignet sich Kwazulu auf jeden Fall zum Kreuzen mit anderen strains, um früher reifende Pflanzen zu erhalten, die nicht allzu viele Phänos aufweisen. Es geht im Grunde nur um eine zwei Wochen frühere Blüte; da könnte vielleicht Durban Poison ins Spiel kommen. Die beiden kommen ja aus der gleichen Ecke und sind nicht so stark unterschiedlich… Kwazulu finde ich von der Wirkung her nicht so extrem, dass ich ein „Verwässern“ ihres Charakters in kauf nehmen wollte, sonst könnte man einfach etwas deutlich früheres einkreuzen.
Bei der oben abgebildeten Mountain Gold wäre das schon eher eine Überlegung, obwohl sie eigentlich noch ein paar Tage früher fertig wird als die Kwazulu. Denn ihre Potenz und aktivierende Wirkung ist quasi im Übermaß vorhanden! Ein Hybrid daraus würde bestimmt immer noch aktivierend wirken. Grund ist vermutlich die Kona Gold aus Hawaii, die in Mountain Gold drinsteckt, aber als nordamerikanische IBL. Mountain Gold ist ja praktisch das, was die Maui Waui immer sein wollte: eine große, hübsche Pflanze mit Hawaii- Einschlag, die zwar etwas spät reift, aber normalerweise gesund bleibt, und einem ordentlich Dampf unterm Hintern macht. Aber das ist ein Thema für ein anderes Jahr. Vermehrt habe ich sie ja schon, und baue jetzt erstmal andere strains an.
Beim Gewinnen von Samen und weiteren Selektieren gehen breeder anscheinend oft in mehreren Kontrollstufen pro Generation vor: Zuerst werden die (dutzenden oder hunderten) Keimlinge beurteilt; das heißt, nur die stärksten dürfen weiterwachsen. Als nächstes gibt es eine generelle Beurteilung der Wuchskraft und Widerstandsfähigkeit. Es kann etwa sein, dass eine junge Pflanze praktisch den gewünschten optischen Phänotyp schon erkennen lässt, aber sich mit den- eigentlich normalen- Bedingungen was z.B. den Boden betrifft schwertut und nur zögernd wächst. Weg damit! Ansonsten könnte schon etwas nach Optik, also Phänotyp selektiert werden. Wenn es dann ans Bestäuben geht, will man eines vermeiden: dass das früheste Männchen alle Weibchen bestäubt. Stattdessen sollen die Kerle, die es bis hier geschafft haben, eigentlich alle zum Zuge kommen. Man erreicht das glaube ich durch Rückschnitt in der Zeit der Vorblüte. Die eigentliche Blüte, also der Pollenausstoß, beginnt dadurch verzögert und kommt dann bei allen betroffenen Pflanzen eher zur gleichen Zeit. Nur dadurch erreicht man das volle genetische Potenzial.
Leider kann man versamte Buds schlecht beurteilen, daher gilt es, einen Weg zu finden, auch unbestäubte Blüten jeder Pflanze mal probezurauchen, oder zumindest vom Phänotyp und Geruch her Gruppen zuzuordnen, die man proberaucht. Bei mir passiert das einfach durch einen Stopp der Bestäubung nach der ersten Phase der weiblichen Blütenbildung. Die Samen liegen dann später eher im Inneren der Buds, während die äußeren Blüten eher samenfrei sind. Natürlich lässt sich das nicht exakt steuern, vor allem auch bei guerilla, so dass mal nur fünfzig Samen pro Pflanze entstehen, mal jede fünfte oder zehnte Blüte erwischt wurde. Vielleicht ist es ja besser, einige Buds irgendwie abzuschirmen, die dann samenfrei bleiben, oder parallel mit Stecklingen zu arbeiten (dabei ist natürlich akribische Beschriftung geboten). D.h. die Stecklinge sollen Aufschluss über die Sinsemilla- Blütenqualität geben.
Naja, bei mir waren die Stecklinge meistens deutlich aromatischer und frühreifer als die Mamas, auch bei unbestäubten fem.'s.