die Frage steht ja im Titel: Sind bei IBL noch stark unterschiedliche Phänotypen zu erwarten? Letztes Jahr hab ich mir nach einiger Recherche Sensi Seeds Hindu Kush kommen lassen, in der Annahme, dass es sich dabei um eine IBL in mindestens achter Generation handeln müsse, die in meiner Vorstellung recht gleichförmige Pflanzen erzeugen würden. Nun habe habe ich aber ein wenig den Verdacht, dass es sich dabei tatsächlich um einen F1-Hybriden gehandelt haben muss, denn die Pflanzen aus den gekauften Nüssen waren zwar sehr homogen, bei den Nachkommen davon treten aber nun mindestens zwei sehr unterschiedliche Phänotypen auf:
Da ich ja nun so gar keine Erfahrung damit habe (letztes Jahr das erste Mal überhaupt angebaut, nun das erste Mal überhaupt aus eigenem Saatgut angebaut), würde mich da die Erfahrung von jemanden interessieren, der bereits eine „sichere“ IBL angebaut hat, idealerweise selbst gezüchtet oder aus vertrauenswürdiger Quelle: Sind die da eher gleichförmig, oder gibt es da tatsächlich so starke Unterschiede?
…da reicht oft schon einmal im Frühjahr, einmal im Herbst angebaut (unterschiedliche Temperaturen) aus, dass sie leicht unterschiedlich aussehen können.
Danke, aber die sind nahezu gleichzeitig geschlüpft und unter den exakt gleichen Bedingungen aufgewachsen: Stehen direkt nebeneinander in einem 160cm²-Zelt. Ich denke schon, dass die deutlichen Unterschiede (man sieht es wirklich gut an den Blüten) keine durch äußere Umstände erzeugten Variationen sind, sodern dass die beiden Nüsse entsprechende Unterschiede im Erbgut hatten.
Die Frage ist, ob ich da was nicht richtig verstanden habe, und das bei Pflanzen in mindestens der achten Generation normal wäre, oder ob es nicht tatsächlich F1-Hybride waren, wofür nach meinem jetzigen Kenntnisstand das dann doch sehr homogene Aussehen der vorherigen Generation im Gegensatz zu den Unterschieden in dieser Generation sprechen würde – in dem Fall wäre die Folgefrage, ob jemand einen Breeder benennen kann, bei dem man tatsächlich stabiles Saatgut bekommen kann
Mit anderen Worten: Ich kann davon ausgehen, dass die Hindu Kush von Sensi Seeds F1-Hybride mit was auch immer für Eltern sind? Denn dort traten keine Phänos auf; in der F2, die ich dann ja nun hätte, halt im extremen Maß.
Man kann ihnen keinen Vorwurf machen, denn sie selbst werben nicht damit, dass es eine alte, stabile Sorte wäre – das war dann wohl mein Fehlschluss.
Aber: Wo bekommt man heute stabile Sorten her? Irgendwie scheint alles nur noch für den Einweg-Grow optimiert zu sein …
Nope!
F1-Hybride entstehen durch die gezielte Kreuzung zweier genetisch unterschiedlichen Elternpflanzen! Die Beschreibung von Sensi sagt ganz klar aus, dass sie „rein“ gehalten wurde!
Zitat:
Hindu Kush Regular Hanfsamen wurden über etliche Generationen auf Stabilität und Qualität selektioniert, wobei ausschließlich innerhalb des eigenen Genpools gekreuzt wurde.
Ich kann und werde Dir nicht die Genetiklehre aufbröseln (nicht böse gemeint), da bin ich selbst eher rudimentär unterwegs. Vermute aber schwer, dass es hier mit Homozygotie und Heterozygotie und deren Möglichkeiten zu tun hat! By the Way finde ich aber auch, das sie sich auf deinen Bildern vom Wuchs her ähnlich sehen…
Schreib doch mal Sensi an und frag nach… eventuell erhälst Du ja eine Antwort, die es Dir erklärt und dich zufrieden stellt
Mag sein, dass meine Probengröße mit vier Pflanzen der ersten und zwei der zweiten Generation zu klein war, und die Pflanzen mit nahezu identischem Aussehen in der ersten Tochtergeneration und die stark voneinander abweichenden Wuchsformen in der zweiten Tochtergeneration Zufall waren, es sich also um Ausreißer gehandelt haben mag. Ich werd’ das Ganze mit je dem Ausgangssaatgut und der ersten lokalen Generation wiederholen und dokumentieren.
Ich denke, mittlerweile ist der Unterschied eigentlich ziemlich deutlich sichtbar – insbesondere an der Kopfblüte:
super gutes Thema. Ich habe keine Quellen, meine mal gehört zu haben, dass ab der 4.Generation alles recht stabil sein soll, bis zur 8ten steigt und dann wieder verloren geht.
Das wäre möglich, auch wenn beide unter exakt gleichen Bedingungen aufgewachsen sind. Ich werde, wie geschrieben, mal noch ein paar mehr Pflanzen aus den eigenen Nüssen ansetzen und schauen.
Was war denn das Problem mit dem Klima bei dir, das zu dem Phänomen geführt hat?
Sensi schweigt sich leider über den konkreten Stammbaum der Nüsse aus.
In diesem Kontext: Kennt jemand Breeder, die ihre Zucht dokumentieren und das auch zur Verfügung stellen? Wäre beim Weitervermehren ja von enormem Vorteil, wenn man die Vorgeschichte und den Stammbaum kennen würde, vielleicht gar die Selektionskriterien und so. Idealerweise auch Leute, die sich einen gewissen Ruf erworben haben – wenn ich heute suche, stellt sich jeder als der Züchter schlechthin dar …
Wer wird schon seine Arbeit von Jahren offen legen damit Anfänger einfach selbst weiter machen können ? Das ist doch ihre komplette Einnahmequelle sei doch froh das sie halbwegs homogen sind.
PS bin auch anfänger im Vergleich zu vielen anderen züchtern
Ich weiß garnicht, ob die ursprüngliche Frage beantwortet wurde.
Bei einer F2, deren Großeltern reinerbig waren, würde man ein Phänotyp-Verhältnis von 3:1 bei einem Merkmal erwarten. Überträgt man das nun auf viele Merkmale (Blattgröße, -form, Wuchshöhe, Farbe, usw. usf.) würden meiner Ansicht nach mehr als 2 Phänotypen sichtbar.
Zudem gehe ich davon aus, dass Sensi zumindest bei deren „Landrassen“ mit Populationen arbeitet, nicht mit IBLs aus einzeln selektieren Eltern, und wahrscheinlich auch mit Incrosses verschiedener Generationen, das ist aber nur Spekulation.
Ja, so ähnlich hatte ich auch gedacht. Die gucken bei Sensi vermutlich schon, dass sie beim am-Leben-halten einer einmal nach Holland geholten zentralasiatischen Landrasse einen halbwegs breiten Genpool am Laufen halten, statt mit ihrem „inbred“- strain nach ein paar Jahren die Kunden zu verlieren, weil Inzuchtdepressionen auftreten.
Stattdessen kreuzen sie dann zusätzlich immer wieder zwei Phänos, um zur Samenproduktion homogene Nachkommen mit den gewünschten Eigenschaften zu erhalten.
Zum Vermehren eignet sich das dann erstmal weniger, aber die wollen ja auch Geld verdienen und nicht einfach nur die geilsten Genetiken unters Volk bringen.