🥦 LEGALISIERUNG 2024 - Fakten & Diskussion 🥦 (Teil 7)

Als ich vor 20 jahren das erste mal aufgehört habe zu rauchen kostete ein nikotinpflaster genauso viel wie eine packung zigaretten. Mir wurde in der apotheke gesagt das der preis auch einen kleinen psychologischen hintergrund hätte. Das war ein top system in das die mit ihren e-zigaretten einfach so reingegrätscht sind. Wurde auch zeit das da mal einer einen riegel vorschiebt.

Sevim Dagdelen vom Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) bei Maischberger in der Schnellfragerunde:

Frage: „Soll die Cannabislegalisierung rückgängig gemacht werden?“

Antwort von Frau Dagdelen: „Am liebsten ja.“

Ist für mich wenig überraschend.
Frau Dagdelen hat schon im Bundestag bei Beschließung der Teil-Legalisierung dagegen gestimmt.
Frau Wagenknecht hatte (wie so oft) keine Stimme abgegeben - Frau Mohamed Ali auch nicht.

Das war Frau Dagdelens Begründung, die Cannabis Teil-Legalisierung verhindern zu wollen:

Man kann nicht gleichzeitig für eine Entkriminalisierung sein und dann aber das beschlossene Konsumcannabisgesetz wieder rückgängig machen wollen - damit hebt man die Teil-Entkriminalisierung nämlich auf und harmlose Konsumenten werden wieder unnötig vor Gericht gezerrt und schlimmstenfalls in den Knast gesteckt.

So sieht also „Vernunft und Gerechtigkeit“ beim BSW in Sachen Cannabis aus.
Merkt euch das bis zur nächsten Bundestagswahl.

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Da hilft nur eins:

Döp dööp döp, dummdielum, alles is rum…
:rofl::rofl::rofl:

Sevim hat Gesamtschulenabitur. Danach dann aber nix mehr.

War auf der Wiesn. Bier teuer, Gras ? Hatte keine Probleme. Stealth-Pfeifen gehen immer.

Oder halt sonst tarnen.

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Was ich interessant finde:

Sahra Wagenknecht hat ebenfalls bei Maischberger gesagt, dass sie für die Legalisierung von Cannabis sei (das war Ende letzten Jahres, wenn ich mich recht erinnere).

Allerdings beantwortet sie seit Monaten die Frage, wie sie zur Legalisierung steht, nicht mehr.

.

Der Grünen Vorstand (Ricarda Lang und Omid Nouripour) tritt nun auch zurück.
Man munkelt, dass Felix Banaszak (MdB, ehemaliger Landesvorsitzender NRW) und Franziska Brantner (MdB, Staatsekretärin beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Spitzenkandidatin Ba-Wü) als neue Spitze in Frage kämen.

Gerade die Grünen in NRW und Ba-Wü haben aber extrem Stress gemacht, als das Cannabis Gesetz in den Bundesrat sollte - wie diese beiden Personen persönlich zum Thema Cannabis Legalisierung stehen, ist nicht ganz klar.

Man findet bei Abgeordnetenwatch nur allgemeine Aussagen, was im Parteiprogramm steht und was man umsetzen möchte.
Habe aber auch noch nicht weiter recherchiert, weil das zum jetzigen Zeitpunkt auch nur Spekulationen sind.

Es wäre natürlich wünschenswert, wenn die neue Parteispitze der Grünen sich deutlich für die Teil-Legalisierung ausspricht und auch für Säule II stark macht.

Karl Lauterbach hat auch mal vorbeigeschaut.

„C Gesetz“ :grin:

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Frau Lütke hat sich ein Herz gefasst und mal wieder ein Statement zum aktuellen Status der Cannabis Teil-Legalisierung abgegeben:

Screenshot 2024-09-26 at 18-47-05 Kristine Lütke MdB (@kristine_lutke) Im Bezug auf #Säule2 herrscht absolute Stille bei @Karl_Lauterbach. Wir sind weit hinter dem Zeitplan. Eine Verordnung durch das BMEL wäre zwar ein guter S...

Von der SPD und den Grünen hört man leider nichts mehr - die ständigen Fragen werden auch einfach ignoriert. Es ist einfach ein Trauerspiel.

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Moin,

spannender Beitrag auf DLF:

https://www.deutschlandfunk.de/evaluation-des-cannabisgesetzes-basisdaten-und-ausblick-interview-j-manthey-dlf-a4b4e4c9-100.html

„Der Cannabis-Konsum ist unter Erwachsenen stark verbreitet, sagt der Suchtforscher Jakob Manthey. Cannabis sei mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen und in allen Bevölkerungsschichten vertreten.“

Erfrischend sachlich…

Grüße

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Fand ich auch.
Allerdings haben sich im Net etliche Leute darüber aufgeregt, weil sie eben nur die Überschrift gelesen haben, in der von „die neue Volksdroge“ die Rede ist. Das weckt wohl erstmal negative Assoziationen.

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Moin,

was zum schmunzeln (Wiese 24):

https://tegernseerstimme.de/waffen-drogen-und-anzeigen-auf-der-wiesn/

„Insgesamt meldete die Polizei bis Sonntag eine niedrige zweistellige Anzahl von Betäubungsmitteldelikten. In 90 Prozent der Fälle habe es sich um Kokain gehandelt. Kiffen war Beamten zufolge zumindest bis Sonntag kein Thema auf dem Fest. Offensichtlich hielten sich die Besucher weitestgehend an das Verbot, das die bayerische Staatsregierung für alle Volksfeste verhängt hat.“

Also an Verbote der bay. Staatsregierung hält sich die Welt, aber an Bundesgesetze nicht… Oder wie soll ich den letzten Satz verstehen?

Aber es scheint (evtl) zu stimmen:
Wiese 2023:

https://www.marktspiegel.de/bayern/c-panorama/besucher-bierkonsum-drogen-notfaelle-und-mehr_a102335

"Verwundert verwies er auf das lockere Verhältnis mancher Besucher zu Drogen.
Das sei ein relativ ungenierter Umgang gewesen. Viele hätten Cannabis konsumiert, es sei aber auch viel Kokain sichergestellt worden. Fast 370 Wiesngäste wurden mit Drogen erwischt. Die meisten hatten Cannabis dabei, bei 40 Prozent wurde Kokain gefunden."

Evtl ist Kiffen auch auffälliger… Warten wir es ab wie es sich entwickelt.

Und die Verwunderung mit dem Umgang mit Droge auf dem Oktoberfest… :rofl:

Grüße

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Gestern hatte ich einen Zwischenbericht der Polizei gelesen (finde ich nicht mehr auf die Schnelle), da war von bisher ganzen zwei Verstößen gegen das KCanG auf der Wiesn die Rede… :sweat_smile:

Hier scheint es einen Live Ticker zu geben:

https://www.focus.de/panorama/oktoberfest/wiesn-im-ticker-gedenken-zu-oktoberfest-attentat-mit-oberbuergermeister-reiter_id_260326386.html

"Polizei meldet erstmals Cannabiskonsum auf der Wiesn

13.25 Uhr Am dritten Wiesn-Tag hat die Polizei erstmals auch einen Verstoß gegen das bayerische Cannabis-Verbot gemeldet. Am Montagabend entdeckten die Beamten auf dem Festgelände einen 23-Jährigen aus München, der den Angaben zufolge einen Joint rauchte. Er wurde wegen einer Ordnungswidrigkeit angezeigt.

Die bayerische Staatsregierung hat nach der bundesweiten Legalisierung von Cannabis-Konsum und -Besitz in bestimmten Mengen ein striktes Verbot für alle Volksfeste verhängt.

Auf der Wiesn ist von jeher Kokain das größere Thema. Auch dieses Jahr berichteten die Beamten schon von mehreren Sicherstellungen von Drogen - 90 Prozent davon betrafen nach Angaben vom Sonntag Kokain."

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Das haben sie jetzt von ihrem Haschgiftverbot. Kolumbianische Verhältnisse in München !

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denkste :no_mouth:
s.: https:// www [DOT] focus [DOT] de /experts/vermehrungsmaterial-beim-cannabis-anbau-wie-lange-sind-meine-pflanzen-stecklinge-und-damit-voellig-legal_id_260029316.html

Die CDU wieder…
Und der Münchner Merkur bringt das natürlich, ohne jegliches kritisches Hinterfragen.

" „Schon in den kommenden Wochen“: Union fordert Ende von Cannabis-Gesetz

Hier müsse man gegensteuern, sagt Sorge. Schon mehrfach hatten Unionspolitiker angekündigt, das Gesetz im Falle einer Regierungsbeteiligung nach der nächsten Bundestagswahl rückgängig zu machen. Neu ist, dass es noch dieses Jahr passieren soll. „Der Bund sollte den Ländern kurzfristig die Möglichkeit eröffnen, die Legalisierung auf unbestimmte Zeit auszusetzen.“ Demnach könnten die Bundesländer selbst entscheiden, wie sie mit Cannabis umgehen. Legalisierungskritische Länder wie Bayern würden wohl sämtliche Regeln stoppen, andere Länder mit einer offeneren Drogenpolitik wie Berlin könnten alles so lassen wie bisher."

.

Und die SPD und die Grünen bohren vermutlich weiterhin in der Nase und gucken in die Luft…

Es wird wirklich Zeit, dass die sich mal klar positionieren und Tacheles reden!

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Bin eben auf ein neues Video vom Deutschen Hanfverband gestoßen.
Thema „Säule 2 jetzt“ :v:

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Die Forderungen nach Säule II auf X/Twitter laufen aber schon seit einiger Zeit auf Hochtouren. Aber schön, wenn der DHV sich da anschließen möchte. :slight_smile:

Noch schöner wäre es, wenn endlich mal jemand von den Verantwortlichen drauf reagiert und sagt, was nun Sache ist.

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Moin,

evtl wachen jetzt mal einige auf, wobei man wird es auf die Cannbaislegalisierung schieben…

Der Schwarzmarkt wird immer vesuchen sein Risko zu reduzieren in dem man die Wirkung pro Volumeneinheit erhöht… Vollkommen ohne jegliche Kontrolle…

https://hanfjournal.de/2024/09/28/polizei-warnt-vor-synthetischem-cannabis/

Habe das mal in Schweden probiert und nach einem halben Zug war ich dermaßen dicht, Rausch war unangenhem und sehr sehr kopflastig. Und das obwohl ich jeden Abend so 0,3g vape und am WE auch mal deutlich mehr. Er meinte, der Pen reicht locker für 1-2 Wochen…

Und schön mit Erdbeergeschmack… Aus Jugendschutz und Präventionssicht ne Vollkatastophe…

Grüße

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Glaube ich nicht. Nicht deshalb.

Schon vor 15 Jahren haben Schüler Spice Sammelbestellungen getätigt - war kein Problem, damals gab es keine Altersprüfung in den Shops und Lieferung per Nachnahme war auch möglich.

Seitdem ist das ein Katz und Maus Spiel, jedes Jahr erschienen neue synthetische Cannabinoide und dann hat es wieder ein, zwei Jahre gedauert, bis diese explizit verboten wurden.

Erst 2016 kam dann das NpSG (Neue psychoaktive Stoffe Gesetz), das umfangreicher bestimmte Substanzgruppen verboten hat.

Und da ging es auch nicht nur um die synthetischen Cannabinoide, sondern auch um allerlei andere „Research Chemicals“ u.a. als Ersatz für Amphetamine oder Benzos.

Die letzten Jahre haben sie auch zunächst erstmal zugeschaut, als es überall, an Tanken, teils sogar via Automaten, diese HHC Vapes oder auch HHC Gummibärchen etc. gab. Konnte sich auch jeder Jugendliche problemlos besorgen.

Es hätte überhaupt kein Spice (und Nachfolger), HHC etc. in deutschen Shops gegeben, wenn das Original, also Cannabis, legal gewesen wäre.

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Die Zeit war uu Gast bei Gärtnern

" Cannabis-Anbau:Unter Gartenfreunden

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Seit dem 1. April darf man in Deutschland straffrei Cannabis anbauen. Wer macht das? Und hält das Land den Kulturschock aus? Von Alexander Krützfeldt

ZEITmagazin Nr. 41/2024 25. September 2024

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Verschenken

Meine letzten Cannabis-Anbauversuche liegen 20 Jahre zurück, sie wurden von meiner Mutter vereitelt. Meine Mutter war Richterin am Landgericht und passionierte Weintrinkerin. Bevor sie die Pflanzen in meinem Zimmer entdeckte, gab es allabendliche Diskussionen, in denen ich versuchte, Marihuana gesundheitlich-medizinisch sowie kulturell zu verklären. Diese Debatten beendete sie stets mit den Worten, dass das Gesetz eben verbiete, was es nicht explizit erlaube.

Zwei meiner drei Pflanzen hatten sich gar nicht erst getraut, in dieser feindlichen Umgebung zu keimen. Lediglich eine spargelte kümmerlich in meinem notdürftig mit Alufolie verkleideten Jugendzimmerschrank, im blassen Licht einer lila Aufzuchtlampe. Es gab nirgendwo das richtige Zubehör zu kaufen, und an Samen zu kommen, war spannend: Man musste sie in den Niederlanden bestellen und liefern lassen, und da wir kein Postfach hatten, bedeutete das, man wartete tagelang, ohne zu wissen, ob am Ende der Postbote klingeln würde oder die Polizei. Außerdem fehlte es eindeutig an YouTube-Tutorials, die einem den Anbau erklären. Die gibt es heute massenhaft.

Womit ich zum Kern meiner Geschichte komme: Seit dem 1. April ist der Cannabisanbau für Privatpersonen in Deutschland offiziell erlaubt. In jedem Haushalt drei Pflanzen pro Erwachsenen, besitzen darf jeder 50 Gramm. Mit sich führen 25 Gramm. Verkaufen oder verschenken darf man Cannabis weiterhin nicht.



Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 41/2024. Hier können Sie die gesamte Ausgabe lesen.Ausgabe entdecken

Ist das der Beginn einer neuen Epoche des, im Vergleich mit früheren Verhältnissen, jetzt praktisch ungezügelten Cannabiskonsums? Und was machen die alten Leute von damals eigentlich gerade? Sie müssten doch jetzt einen Grund haben zu feiern?

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Beziehungsweise

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Kiffen fand ich damals, als 16-Jähriger, toll: Ich rappte in einer Band und konnte bekifft Musik machen. Ich war dann albern, unbeschwert, und alle Eindrücke waren intensiv; ich hatte Ideen und Einsichten, die ich mitten in der Nacht niederschrieb, die sich aber am nächsten Tag als wirr und unvollständig entpuppten. Trotzdem fühlte ich mich kiffend als Teil einer aufregenden Welt, die ich doch gerade erst im Begriff war zu entdecken. Und, ganz praktisch: Pot, also Gras, machte keinen Kater wie Alkohol.

Eine andere Kehrseite als die, dass ich zum Dealer musste, fiel mir damals nicht ein. Psychosen, Gedächtnisverlust, echt? Das Problem waren die Dealer: Der eine nahm dauernd Koks und Speed, außerdem hatte er eine Vogelspinne. Der andere, ein stiernackiger Russe, nahm mir, dem Gymnasiasten, im Park hinter den Rhododendren mein letztes Taschengeld ab. Einmal war in der Alufolie nur ein Stück Holzkohle. Ich durfte es vor ihm auspacken, und er beugte sich zu mir runter, seine tiefe Stimme war ganz nah: „Und was willst du jetzt machen?“ Ich konnte meiner Mutter in dieser Zeit nicht alles erzählen.

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Während einige aus meinem Jahrgang von der 10. bis zur 13. Klasse psychoaktive Pilze auf Kuhweiden suchten, bauten andere in unserem norddeutschen Landkreis Cannabis an. Ungefähr ein Drittel kiffte. Drinnen anzubauen, hatte den Nachteil, dass es roch – und dass durch die Anbaulampen schnell verdächtig hohe Stromkosten entstanden, ganz zu schweigen vom lila Licht. Draußen anzubauen, war auch schlecht, weil die Rehe gerne Jungpflanzen anknabbern. Außerdem musste man dann wie mein Freund V. immer mit dem Hollandrad rausfahren in den Wald.

V. hatte seine fünf, sechs Pflanzen auf einer Lichtung untergebracht, einen knappen Kilometer abseits der Wege, zwischen dürren Kiefern. Da diese Pflanzen beträchtliche Mengen Cannabis hervorbringen würden, erklärte er stolz, habe er nun CB-Funkgeräte für etwaige Kunden angeschafft, damit könne die Polizei ihn nicht abhören wie am Telefon. Woraufhin einer aus unserer Clique, der sich wirklich mit CB-Funk auskannte, meinte, dass ihn damit praktisch jedes Babyfon in der Umgebung hören könnte.

»Von den erlaubten drei Pflanzen pro Person bleiben 90 Gramm Gras. Doch nur der Besitz von 50 Gramm ist legal.«

Mein Sommer erfolglosen Anbaus ging jedenfalls recht schnell zu Ende. Ich hatte meiner Mutter erzählt, dass es sich bei dem zögerlichen Pflänzchen in meinem Schrank um eine alte, ursprüngliche Art von Petersilie handele, die ich zu Testzwecken kultivieren wolle. Wonach sie, als sie mit ihren Juristenfreunden mal einen netten Abend hatte, den Oberstaatsanwalt fragte, ob er sich nicht mal meine Petersilie angucken wolle, und was soll ich sagen, er wollte. Jedenfalls stand der Oberstaatsanwalt in meinem Zimmer, eine Hand in der Hosentasche, während ich unter Kiffpostern gerade Raptexte schrieb, und erkannte mein Pflänzchen als Cannabis sativa.

V. wiederum wurde gefasst, und es stellte sich heraus, dass das gar kein Wohnmobil in seiner Straße war, sondern ein Observationswagen. Klugerweise hat er dann gleich alle seine früheren Dealer mitverpfiffen, um Strafminderung zu erhalten. Einige bekamen empfindliche Strafen, weil sie älter waren als er, und hätten ihm den Verrat gerne heimgezahlt. Er hat sich deshalb ziemlich lange im Keller seiner Eltern verstecken müssen, weil so viele Leute sauer auf ihn waren.

Die neue Epoche, die am 1. April begann, sollte eigentlich auch noch sogenannte Cannabis Social Clubs bringen, das sind Anbauvereinigungen, die ihr Gras an registrierte Mitglieder verteilen dürfen. Die Bürokratie verhindert aber vorerst ihre Gründung, viele Genehmigungen sind noch nicht durch. Auch richtige Cannabis-Fachgeschäfte sind geplant, als regionale Modellversuche, auch auf die wartet man noch. Im Prinzip ähnelt das Vorgehen des Gesetzgebers den Vorhaben eines Potheads: Als am 1. April die Teillegalisierung ausgerufen wurde, wollten sich viele Kiffer aus meiner alten Heimat auf der Straße treffen und feiern. Aber dann hatte keiner so richtig Bock, es war auch ein bisschen zu kalt. Schlussendlich ist dann keiner gekommen.

Pünktlich zum 1. April steht mein Freund F. im Garten und reibt sich die Hände, mehrere Säcke Erde, Handschuhe und Schaufel neben sich. F. hat einen Beruf, mit dem er in der Öffentlichkeit steht, weswegen er seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Jahrzehnte der Prohibition haben eben doch Spuren hinterlassen.

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Alle Samen hat er im Internet aus den Niederlanden bestellt. Samen in Deutschland zu gewinnen und weiterzugeben, soll nur den Cannabis-Clubs erlaubt sein. Die Baumärkte halten sich selbst mit Importware auffällig zurück. Die Samen sind heutzutage feminisiert, was bedeutet, dass man nicht, wie wir früher, aussortieren muss, denn männliche Pflanzen enthalten deutlich weniger THC, das berauschende Tetrahydrocannabinol. Die taugen nur für Nutzhanf oder beispielsweise Stricke.

F. ist kein Anfänger, sondern ein typisch deutscher Gartenbau-Enthusiast. Er hat mit dem Anziehen von sechs Pflanzen begonnen, drei für sich und drei für seine Frau, die zwar nicht kifft, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Bald kommen die ersten Bilder stolz via Handy. Als ich ihn einige Wochen danach wieder besuche, sind die Pflanzen bereits brusthoch, drei stehen auf dem Balkon, der Rest steht im Freilandbeet im Garten. Erntezeit für all diejenigen, die pünktlich angefangen haben.

Für mich ist das ein seltsames Szenario. Es war immer mein Traum, aber abgesehen von einem gelegentlichen Zug an einem mir hingehaltenen Joint habe ich seit meiner Schulzeit nicht mehr gekifft; ehrlicherweise macht es mich mittlerweile zu müde. Aber neugierig verfolge ich die Legalisierung doch.

Da man die Pflanzen nach dem Abschneiden trocknen muss, damit ihre Blüten aushärten und alles Wasser verdunstet, müssen sie abhängen. Dabei verlieren sie etwa 70 Prozent Gewicht. Abhängen heißt, das Zeug in trockenen Räumen bei einer Temperatur von circa 20 Grad und bei etwa 50 Prozent Luftfeuchtigkeit über Kopf an Wäscheleinen aufzuhängen. Bei F. ist es der Keller geworden, dort hängen die Buds, so heißen die Blütenklumpen, der Hygrometer steht daneben.

»Die Deutschen könnten problemlos ›mehrere Hundert Tonnen im Jahr‹ anbauen, fürchtet ein Kriminalbeamter.«

Konservativ gerechnet, bringt eine Pflanze schätzungsweise 50 Gramm Marihuana. Wenn der Sommer bescheiden läuft, man nicht düngt, kaum gießt und die Pflanzen weitestgehend sich selbst überlässt. Also bei sechs Pflanzen mindestens 300 Gramm. Feuchtgewicht. Wenn die Pflanzen beim Trocknen 70 Prozent ihrer Masse verlieren, bleiben noch 90 Gramm Marihuana übrig. Mit drei Pflanzen ist es also praktisch unmöglich, die gesetzlich erlaubte Grenze von 50 Gramm legalen Besitzes einzuhalten.

Sieben Prozent der erwachsenen Deutschen hatten laut einer repräsentativen Umfrage von YouGov im Mai bereits Samen gekauft; rund 11 Prozent hatten es angeblich noch vor. Demnach gäbe es in Deutschland bald womöglich 12 Millionen Kiffer. Die Bundesregierung geht von bisher 4,5 Millionen kiffenden Deutschen aus. Es scheint eine Art Hype zu existieren, das einfach mal mitzumachen.

Ihr Problem hätten wir gerne!

Der Kitaplatz fehlt, die Straße ist kaputt? Erzählen Sie uns, wo Deutschland in Ihrem Alltag nicht funktioniert! Wir zeigen, wie vielen Menschen es ähnlich geht – und wer schon eine Lösung gefunden hat.

Von stark gestiegener Nachfrage sprechen Saatgutlieferanten wie Sanaleo mit Sitz in Leipzig. Über 500 Einzelhändler würden die aus der EU importierten Samen mittlerweile vertreiben. Gerade die Nachfrage nach sogenannten Autoflower-Samen ist hoch: Cannabispflanzen, die unabhängig davon, wie viel Licht sie bekommen, zu blühen beginnen. Sie sind teils in 75 Tagen schon erntereif und versprechen sogar mehrfache Erträge. Das macht sie gerade für Anfänger attraktiv.

Auf rund eine Milliarde Euro Umsatz wird laut Statista der nun legale Markt pro Jahr mit THC-haltigem Cannabis für den Freizeitkonsum bis 2026 geschätzt. Auch der Markt für medizinisches Cannabis, der 2017 noch bei rund 133 Millionen Euro Umsatz lag, hat sich fast vervierfacht. Experten schätzen, durch die Legalisierung könnte in Deutschland einer der größten Cannabismärkte weltweit entstehen.

Kommen wir zu Martina. Sie ist auf dem norddeutschen Land aufgewachsen, wie ich, aber anstatt Cola-Korn zu trinken, wie die meisten, hat sie sich auch früh entschieden, lieber Cannabis zu rauchen: „Alkohol“, sagt sie, „war für uns ein Genussmittel des Proletariats.“ Heute lebt sie in einer norddeutschen Kleinstadt.

Dass das Gras früher über Dealer kam, sei keine schöne Erfahrung gewesen. Sie erinnert sich an 1972, da war sie 17: „Wir hatten keine Connection und auch kein Geld.“ Mit älteren Jungs sei sie über die Grenze in die Niederlande gefahren, und dann hätten sie in einem Waldstück kampiert. „Als Mädchen hätte ich nie selbst eingekauft“, erzählt sie. „Das war für uns hochkriminell.“

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1976 erst änderten die Niederlande ihre Drogenpolitik hin zu einer Duldung. Marihuana ist dort auch heute nicht offiziell legal, der Konsum wird nur höflich übersehen. Daher ist der Handel weiterhin fest in der Hand von Kriminellen, weil, bis auf wenige Modellregionen, der Anbau und damit die Versorgung nicht von den Coffeeshops selbst übernommen werden darf. Das hat zu einer massiven Ausweitung des Schwarzmarktes geführt und Banden in die Hände gespielt. Diesen Fehler wollte man in Deutschland nicht machen.

Heute hat Martina zwei Sorten angebaut und weiß nicht mal, welche. Sie sitzt in der Sonne auf dem Balkon, schon ein schräges Bild: eine kleine Frau, 1,60 Meter groß, eingepfercht zwischen zwei mannshohen Cannabispflanzen.

„Mir macht es einfach Spaß, und ich habe einen grünen Daumen“, sagt sie. Wie die meisten Selbstanbauer, die ich gefragt habe, beschäftigt sie sich gedanklich schon mal mit der Entsorgung von allem, was über 50 Gramm hinausgeht. Verbrennen? Schlechte Idee, wegen der Nachbarn. Eingraben? Oder einfach in den Müll?

„Wir appellieren an die Kiffer“, sagt Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. „Halten Sie sich an Recht und Gesetz. Wir gehen weiterhin jedem Anfangsverdacht nach.“

Der Anbau in Privatwohnungen könne im ganzen Land problemlos „mehrere Hundert Tonnen im Jahr“ erreichen, fürchtet der SPD-Innenpolitiker und Kriminalbeamte Sebastian Fiedler. Nach seiner Einschätzung „bedeuten die Pläne zur Cannabislegalisierung, dass wir faktisch jede Kontrolle aufgeben“, das sagte er der SPD-Zeitung Vorwärts.

Denn wer kann alles kontrollieren? Der Polizei fehlt oft moderne Messtechnik, auch können Streifenwagen nicht alle mit Feinwaage ausgestattet durch die Stadt rollen, nur um festzustellen, ob jemand 25 Gramm oder vielleicht doch 26 bei sich führt. Und welcher Richter, welche Richterin stellt einen Durchsuchungsbeschluss aus, nur weil vermutet wird, dass sich ein paar Pflanzen oder ein paar Gramm Cannabis zu viel in einer Privatwohnung befinden?

Unter der Hand hört man von Polizistinnen und Polizisten bisher nur, dass sich die Kiffer sehr friedlich und kooperativ verhielten (dafür sind Kiffer nun mal bekannt, neben der viel zitierten Lethargie). Und die Erfahrung in anderen Ländern, die Cannabis bereits legalisiert haben, zeigt: In Kanada etwa ist der Schwarzmarkt seit der Legalisierung 2018 eingebrochen; zwei Drittel der Konsumenten versorgten sich laut den Behörden über legale Wege.

»Früher bestellte man die Samen in den Niederlanden und bangte: Klingelt bald der Postbote oder die Polizei?«

Ob das auch hierzulande so kommen wird? Das Cannabis-Start-up Bloomwell, über das man Cannabis auf Rezept beziehen kann, hat dazu seine Kunden befragt. Knapp die Hälfte soll geantwortet haben, dass man sich auch weiterhin auf dem Schwarzmarkt bediene.

Die Sorge, dass der Schwarzmarkt am Ende trotz der Legalisierung doch profitieren könnte, gab es im Zuge der deutschen Cannabisdebatte immer wieder. Gerade Unionspolitiker betonten nahezu mantraartig, die Legalisierung werde Kriminellen in die Hände spielen. Wenn der Anbau mehrere Monate dauert, der Konsum schon freigegeben ist, die Fachgeschäfte aber weiterhin fehlen: Woher kommt denn das Gras, das die Bürger jetzt konsumieren? Die Frage führt zum Rauskramen von sehr alten Kontakten.

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Bei den Dealern ist es genauso unangenehm wie damals. Wieder die schlecht gelüfteten, nach ungewaschenen Socken riechenden Buden. Es läuft der Fernseher (läuft er seit damals ununterbrochen?), und weil der Dunst von Gras so massiv im Zimmer hängt, droht sich die Zeit bis in die Unendlichkeit zu dehnen, bis man alle weiteren Pläne für den Tag aufgibt. Wir leben auf dem Land; es sind Deutsche. Sie arbeiten im Handwerk.

„Anfangs hatte man das Gefühl, es zieht deutlich an“, sagt einer. „Dass Leute Bock haben zu kiffen, die vielleicht sonst nicht gekifft hätten. Aber das ist schon wieder vorbei. Die Nachfrage lässt nach.“

Ein anderer bestätigt: „Vielleicht wird es den Schwarzmarkt weiter geben, aber ich denke, eher für andere Substanzen. Von Gras kannst du wegen der geringen Gewinnspannen ohnehin nicht leben.“

Was machen also die Leute, die rauchen wollen, aber nicht selbst anbauen? Weil sie kleine Kinder haben oder keinen grünen Daumen wie Martina? Sie holen sich ihr Gras im Internet, auch das ist mittlerweile legal und nennt sich Telemedizin. Telemedizin geht so: Man klickt auf einer Website wie „Dr. Ansay“, in Malta registriert, auf „Cannabis+Erstrezept ordern“. Dann heißt es: „Wähle deine Beschwerde“, angeboten werden erst mal „Chronischer Schmerz, Schlafstörung, ADHS“. Dr. Ansay verspricht, das Rezept „nach Verifizierung und ggfs. Gespräch“ durch einen Arzt an eine Apotheke zu senden, die einem das Cannabis zuschicke.

2.500 der 17.000 deutschen Apotheken haben mittlerweile Cannabis im Angebot. Erst seit 2017 dürfen Ärzte medizinisches Cannabis verordnen, etwa für Patienten mit chronischen Schmerzen, darunter versteht man Tropfen zum Einnehmen, aber auch Blüten, für die es medizinische Inhalatoren gibt. Für diese Blüten interessieren sich nun natürlich auch gewöhnliche Kiffer. Im Jahr 2023 wurden 19.700 Kilogramm Cannabis an Apotheken geliefert; hauptsächlich importiert aus den Niederlanden, Spanien oder Portugal.

„Insgesamt ist die Nachfrage nach dem 1. April stark gestiegen, um etwa 40 Prozent“, sagt Christiane Neubaur vom Verband der Cannabis versorgenden Apotheken – vor allem wegen der Privatrezepte von Telemedizinern, die laut Neubaur oft im europäischen Ausland sitzen. Die Apotheken sind verpflichtet, jedes Rezept einzulösen. Viele niedergelassene Ärzte in Deutschland verschreiben allerdings kein Cannabis.

Was bleibt sonst noch von diesem Sommer, dem ersten, in dem Cannabis in der Bundesrepublik erlaubt ist? Ein Kulturwandel.

Neulich kam meine Mutter zu mir, mittlerweile pensionierte Richterin, und meinte, sie werde jetzt drei Cannabispflanzen anbauen, sie finde die Blätter so schön; einfach weil es erlaubt sei.

„Ich bin in den Sechzigern groß geworden“, sagte sie. „Und ich habe nie einen Joint probiert! Vielleicht wäre es an der Zeit, das nachzuholen, wobei mir das Rauchen nicht liegt – was ist eigentlich mit einem Keks? Wo kriegt man das Zeug?“

Ich war sprachlos und auch erfreut. Also backten wir zusammen mit einer Freundin meiner Mutter in deren Wohnung Kekse mit Cannabis aus der Apotheke, die Freundin hatte es besorgt: einen kleinen Keks für die unerfahrene Mutter und einen normalen für die erfahrene Freundin. Die ganze Bude roch nach Gras und Butter, wie damals, als ich ein Teenager war und mit meinen Freunden so was in den Ofen schob.

Der Abend lief dann anders als erwartet. Ich selbst nahm nichts. Die Freundin meiner Mutter vertauschte unglücklicherweise in der Aufregung die Plätzchen: Meine Mutter nahm also das mit der großen Cannabismenge und sie das mit der kleinen.

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Als ich später mit einem Glas Wein mit meinem Stiefvater im Wintergarten saß, ging die Haustür auf. Er hatte keinen Schimmer, wo meine Mutter gewesen war, bei ihrer Freundin nämlich, aber ich ahnte bereits Böses.

Anders als sonst hörte sich ihr Reinkommen etwas umständlich an. Dann ging das Licht im Bad an. Dann aus, dann das Licht in der Küche, und man hörte das ruckartige Öffnen der Kühlschranktür. Erst nach einer Weile erschien meine Mutter mit knallroten Augen im Türrahmen. Völlig verunsichert und sehr, sehr albern und giggelig.

„Was hast du denn?“, fragte mein Stiefvater.

„Ich habe Cannabis genommen“, sagte meine Mutter, wobei sie das zweite A lange betonte und dann in ein „Gnihihi“ ausbrach.

„Du hast WAS?“ Und dann sagte mein Stiefvater diesen Satz, der mir das ganze Ausmaß an Veränderung spiegelte – von den Anbauversuchen in meinem Kinderzimmer bis zu meiner Mutter, die total stoned im Türrahmen stand: „Da lässt man dich ein Mal aus den Augen, und schon nimmst du Drogen?“

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