Meine zweite Saison Growbox

Die Triebe vorne holen weiter auf durch Verschiebung der LED. Wasserumsatz insgesamt steigt deutlich, Blattmasse nimmt gut zu. Ich defoliere alle 1-2 Tage ziemlich zurückhaltend und nehme max 10 Fächerblätter raus, die ansonsten Budsites beschatten würden. Abstand LED noch 30cm. Das wird langsam grenzwertig, aber solange die Pflanzen noch so bomberlgsund aussehen, lass ich das mal so. Einfach sehen, wie sich’s entwickelt. Ich kann die LED noch höher hängen. Der Stretch ist noch nicht komplett durch. VPD war mir eine Spur zu niedrig bei ~1,0 kPa. Daher hab ich Ziel-rF um +2% erhöht. Jetzt liegt die VPD besser (~ zwischen 1,1-1,2)
Ich hab mittlerweile 2 Luftentfeuchter am Laufen, weil einer alleine überfordert war. Einer der beiden (hinterm Zelt) läuft auf Dauerbetrieb, der andere (vorne) wird von HA automatisch gesteuert nach rF.

Und jetzt wird’s wieder bisserl nerdy:
Ich monitore seit ein paar Tagen auch die Wassermenge, die durch Leerung der Entfeuchter-Wassertanks pro Tag zusammenkommt. Ich hab die Entfeuchter quasi als Transpirationssensoren zweckentfremdet. Ich leere morgens ~08 Uhr und abends ~18 Uhr. Im Moment sind das ~4-5l pro Tag.

Grundidee:
Ich messe Wasser → aus Pflanze → in Luft → in Entfeuchter
Diese Wassermenge setzt sich wie folgt zusammen

Wassermenge W = (Transpiration der Pflanzen) + (Verdunstung direkt von der Erde/Drain/ verschüttetes Wasser) + (Feuchtigkeit, die vom Kellerraum kommt)

Ganz grob: Das Wasser kommt zu 80-90% von Transpiration der Pflanzen. Die ziehen also täglich gut 4l durch. Das bedeutet:
Aktiver Stoffwechsel
Gute Wurzelarbeit
Genug Blattmasse

Transpiration ≈ Wasseraufnahme ≈ Stoffwechselaktivität
Darüber lässt theoretisch sich eine Ertragsprognose erstellen. Im Moment hab ich für eine genaue Prognose noch zuwenig Daten. Daher reicht das nur für eine Tendenz. Aber in ~5-7 Tagen wird sich das exakter beziffern können, weil
dann der Stretch durch ist und ich etwas intensiver defoliert haben werde
dann Massezuwachs der Pflanze hauptsächlich durch Bud-Entwicklung kommt.

:one: Transpiration
Die Transpiration lässt sich (vereinfacht) schreiben als:

E = g_s · VPD

wobei
E Transpirationsrate
g_s stomatäre Leitfähigkeit (wie “offen” die Pflanze ist)
VPD Dampfdruckdefizit

:backhand_index_pointing_right: Bedeutet:

mehr VPD → mehr Wasserfluss
mehr Wasserfluss → mehr Transport → mehr Stoffwechsel

:two: Verbindung zur Photosynthese

Jetzt der wichtige Schritt:

Photosynthese ist gekoppelt an Stomata:

A ∝ g_s
  • A = CO₂-Aufnahme (durch Photosynthese)

:backhand_index_pointing_right: Also:

A ∝ E / VPD

Setzen wir das zusammen:

Biomasseproduktion ∝ Transpiration / VPD

:backhand_index_pointing_right: Das ist der zentrale Zusammenhang.


Ich messe

W = Liter/Tag

Das ist:

W ≈ ∫ E dt

Daraus wird:

Biomasse ∝ W / VPD

Aber: Die Realität ist nicht ideal

Das Ganze gilt nur unter Annahmen:

  • konstante Lichtleistung

  • keine Limitierung durch Nährstoffe

  • keine Stressfaktoren

  • stabile Blattfläche

:backhand_index_pointing_right: deshalb bauen wir einen empirischen Faktor ein


Praxisformel (Grow-Realität)

Sehr grob:

Ertrag ∝ k · (W_total / VPD_avg)

Oder noch einfacher gedacht:
Ertrag ∝ Wasserumsatz × Effizienzfaktor

Typische Erfahrungswerte

Indoor (ohne CO₂):

~0.3 – 0.6 g trockene Blüte pro Liter transpirierter Wassermenge

:backhand_index_pointing_right: sehr grob, aber realistisch


Ich hab aktuell:

  • ~4–5 L/Tag

  • sagen wir: noch ~50 Tage

W_total ≈ 4.5 L/d × 50 d = 225 L

:backhand_index_pointing_right: Ertrag:

225 L × 0.3–0.6 g/L = 67 – 135 g

Das wäre der konservative physikalische Kernwert.
Diese physikalische Abschätzung ist aber zu konservativ

Warum?

Weil:

  • Indoor-Grows oft effizienter sind

  • Mein Licht ist konstant

  • Ich hab kein Wasserstress (wenn man von der falschen Gießstrategie am Anfang absieht)

  • selektive Züchtung

  • SCROG verbessert Lichtausnutzung


deshalb rechne ich eher mit

~140 – 200 g realistisch

Und jetzt wird’s cool:

Wenn ich am Ende den Ertrag / Gewicht trocken gewogen haben werde (bspweise 217g), dann kann ich diesen Ertrag durch das theoretische Maximum 135g dividieren und habe damit einen Eichfaktor bestimmt, der alles “unsaubere Zeug” aufsammelt, das im einfachen Modell nicht drinsteckt. Wie zB

  1. Effizienz meiner Genetik Euforia
  2. SCROG-/Canopy-Effizienz
  3. reale Lichtausnutzung
  4. meine Düngungs- und Klimaführung
  5. spezifische Eigenheiten des Zelts und Raums
  6. Anteil echter Pflanzen-Transpiration vs. Substratverdunstung
  7. Sonstige Verluste
  8. alles mögliche, woran ich nicht gedacht hab

Und dann bekomme ich mit k=217/135=1,61 einen Eichfaktor für dieses mein System.
Und mit diesem experimentell bestimmten Eichfaktor komme ich beim nächsten Run sehr viel näher an die Realität ran. Wenn das nicht cool ist, weiß ich auch nicht.

Dieser Faktor ist natürlich nicht universell konstant.
Er ist nur dann stabil, wenn sich die Randbedingungen nicht stark ändern.

Relativ stabil bleibt er bei:

  • gleicher Strain oder ähnlicher Strain

  • gleicher Topfgröße / Substrat

  • ähnlicher Veg-Dauer

  • ähnlichem SCROG-Stil

  • ähnlicher Lichtverteilung

  • ähnlichem Klima/VPD-Fenster

Er kann kippen bei:

  • anderer LED

  • anderer Leistung / PPFD

  • anderer Genetik

  • massiv anderer Defoliation

  • anderer Gießstrategie

  • CO₂

  • anderer Pflanzendichte

    Ich werd zwar eine andere Strain nehmen, den Rest im nächsten Run aber ziemlich unverändert lassen. Da bin ich mal gespannt, wie gut das hinhaut!

    Happy growing

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