Ja gut!
Wenn man herausbekommen hat, welche Sorten miteinander gekreuzt eine tolle neue F1- „Sorte“ ergeben, kann man diese gut verkaufen und auch gut anbauen! Meistens werden dabei ganz bestimmte Elternexemplare der zwei Ursprungs- strains über Jahre oder Jahrzehnte unter Wachstumsbeleuchtung am Leben erhalten oder deren Stecklinge. Damit bei den Samen ganz sicher immer wieder diese tolle F1 herauskommt. Ob man damit dann leicht weiterzüchten kann, ist eine andere Frage… Aber zum Rauchen ist die F1 ja geeignet- wenn einen die Preise der Samen bei jedem Grow nicht stören.
Wenn ich mir von Züchtungen die reviews durchlese, z.B. bei seedfinder.eu, scheinen die Meinungen über mehrere Phänotypen geteilt zu sein. Die einen meinen, das wäre halt billig und schnell produziert. Dabei verkaufen auch große, renommierte Firmen den ein oder anderen strain, der etwas instabil ist. Tatsächlich gibt es genügend Anwender, die das gar nicht stört, im Gegenteil. „Richtige Experten“ finden schon mal das eine Extrem bei den Varianten besonders interessant, z.B. wenn bei drei Phänos eine mehr Sativa- eine mehr Indica- und die andere irgendwo dazwischen daherkommt. Obwohl der strain vielleicht eigentlich an einem bestimmten Punkt im Mittelfeld liegen sollte, hat man aber so die Chance, die abweichende Variante zu bekommen, die einem noch mehr zusagt. Oder manche Sorten werden halt mal purple, mal nicht. Dann freut man sich, wenn’s bei einem geklappt hat.
Ich finde es ok, wenn nicht alle exakt gleich wachsen, aber wenn sie wirklich anders werden als erwartet, ist das schon ärgerlich! Besonders wenn man bald drei Pflanzen verschiedener Sorten anbauen will, um ein bisschen Bandbreite zu bekommen und sowieso schon die Qual der Wahl hat. Wenn dann noch irgendetwas, aber nicht das geplante dabei herauskommt, oh weh.
Eine gute Genetik zum Züchten ist die, die ihre wichtigsten Eigenschaften sehr wahrscheinlich an die Folgegenerationen weitergibt. Es geht ja letztendlich um das, was wir für wünschenswert halten. Gesundheit, stabiler Wuchs, guter Geschmack, guter Ertrag, erwünschte Wirkung… Viele wollen auch kompakte, schnell reif werdende Pflanzen. Wenn ich jetzt z.B. Congo- Sativa besonders lecker finde und mir die Wirkung gefällt, will ich ja, dass meine Kreuzung daraus mit einer kleineren, schnelleren Sorte den Geschmack und das High von Congo noch mindestens erahnen lässt. Verliert sich das schon in der F2, bin ich aber enttäuscht von der Genetik. Dabei gibt die Sorte vielleicht andere Eigenschaften zuverlässig weiter, auf die ich nicht so achte. Es kommt bei Kreuzungen immer was Neues 'raus, und ob einem das gefällt, ist individuell. Mit einigen der F2 könnte man bestimmt was anfangen, auch wenn sie anders geworden sind, als erhofft. Oder mit einem anderen Kreuzungspartner wäre es wieder ganz anders geworden, also hätte man schon die Chance auf eine neue Sorte mit etwas Erdbeeraroma. Wenn man weiter rumprobiert!
Stabile Genetiken sind bei vielen klassischen Sorten zu finden, aber nicht überall! Bei dem einen oder anderen breeder divergieren sie mehr. Ansonsten vielleicht nach Landrassen gucken. Die sind ja vielfach vom Untergang bedroht (oft sind sie auch nicht mehr wie früher auffindbar gewesen, sondern nur in zurückgezüchteter oder veredelter Form erhältlich). Je mehr Leute die anbauen und vermehren, desto eher kann man sie für die Zukunft erhalten.