In den letzten Tagen gab es zwei sehr interessante Artikel zu lesen, die ich euch hier nicht vorenthalten möchte.
„Mit 62,2% erhielten Patienten am häufigsten Dronabinol (Tetrahydrocannabinol, THC) als Cannabisarzneimittel, gefolgt von Blüten (16,5%), Extrakten (13%) und dem schon 2017 zugelassenen Sativex® (8%). Der führende Grund der Verordnung waren Schmerzen (ca. 76%). Wegen Spastik wurden Cannabis-Produkte in 10% der Fälle verordnet. Weitere Gründe waren Anorexie oder Wasting (5%), Übelkeit/Erbrechen (4%) und Depression (4%) sowie in jeweils 1–2% der Fälle ADHS, Appetitlosigkeit, entzündliche Darmerkrankung, Tic-Erkrankung/Tourette-Syndrom, Epilepsie, Restless-Legs-Syndrom und Schlafstörungen.“
„Jüngere Männer stehen auf Cannabisblüten“, sagte Cremer Schaeffer. Unklar ist, ob diese Patienten zuvor schon langjährigen Cannabis-Freizeitgebrauch aufgewiesen hatten. Darauf könnte auch die hohe mittlere Dosis bei Cannabisblüten hindeuten. Sie lag bei 249 mg THC und damit weit über jeglicher Dosierungsempfehlung zu therapeutischen Zwecken, die bisher wissenschaftlich untersucht und publiziert wurde [2]. Die mittlere Tagesdosis von THC liegt bei Verwendung von Dronabinol, Cannabisextrakten und Sativex® dagegen bei nur etwa 15mg. In der Praxis dürfte der Anteil der Verordnung von Cannabisblüten noch deutlich höher sein, wie Krankenkassendaten zeigen [2].
"Cantourage fragte 400 Allgemeinärzte aus den 20 größten deutschen Städten an und bat um eine Beratung für eine Cannabis-Therapie. In der Anfrage gab das Unternehmen einen fiktiven Fall an, in dem eine Patientin unter Schlafstörungen leidet. Das Ergebnis: Nur 27 angefragte Arztpraxen stehen dem Thema offen gegenüber und baten der Patientin einen Beratungstermin an. Die Studie ist nicht repräsentativ.
185 Praxen antworteten nicht, 158 erklärten sofort, dass eine Behandlung mit Cannabis nicht infrage komme. In den Städten Dresden, Duisburg, Hamburg, Hannover, Stuttgart und Wuppertal bekam die Patientin keine einzige positive Antwort auf ihre Anfrage. In Hannover und Bochum gab es mit 14 und elf negativen Rückmeldungen die meisten Absagen. Die meisten positiven Rückmeldungen kamen aus Münster und Düsseldorf."
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In den Medien wird auch gerade derzeit, wenn es um die Legalisierung geht, immer so getan, als bekämen sowieso alle Patienten, die von einer Cannabis Therapie profitieren würden, dieses problemlos verschrieben.
Mal abgesehen davon, dass die Problematik der Kostenübernahme durch die Krankenkassen dabei gerne nicht erwähnt wird, zeigt der erste Bericht, dass zum einen Cannabis-Blüten einen Sonderstatus einnehmen und bei weitem nicht die meist verschriebenen Cannabis Arzneien sind - zum anderen macht der zweite Bericht deutlich, wie schwierig es ist, einen „Hausarzt“ (Allgemeinmediziner) zu finden, der sich überhaupt erstmal ganz offen gegenüber einer Cannabis Behandlung zeigt und ein Gespräch hierfür anbietet. Dass fast die Hälfte der Praxen bei einer klar formulierten Anfrage es nicht mal für nötig befindet, überhaupt zu antworten, ist wirklich eine Schande!