Panic! It's not Organic! organisch VS. mineralisch

Moin Zusammen,

Ich beginne auch gleich mit einer provokanten These:

Jeder organische Dünger ist ein mineralischer Dünger. Punkt.

Daher beleuchten wir heute mal organische / biologische Düngemittel.

Egal ob man nun Plagron, Canna, Bio Bizz oder was auch immer benutzt. Es sind und bleiben mineralische Düngemittel.

Einen Unterschied gibt es aber, zwischen den organischen und mineralischen Nährmitteln.
Dieser begrenzt sich aber lediglich und ausschließlich auf Stickstoff.

Überlegen wir mal, was ein Dünger alles mitbringt.
Wir hätten einmal die Makronährstoffe wie z.B. Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K)
Also einen stink normalen NPK-Dünger.

Dazu kommen noch die Mikronährstoffe wie z.B. Calcium (Ca), Magnesium (Mg), Mangan (Mn), usw.

Jetzt ist es so, dass die reine Elementform nicht verwertbar ist. Es bedarf gewisser molekularer Verbindungen.

Schauen wir uns mal den Inhalt von Canna Aqua Vega an. Ein vollmineralischer Dünger für Hydrosysteme:

Gesamt Stickstoff (N): 6,0%

  • 1,3% Ammoniumstickstoff (NH4)
  • 4,8% Nitratstickstoff (NO3)
    Phosphorpentoxid (P2O5): 2,8%
  • 1,2% Phosphor (P)
    Kalium (K): 6,9%
  • 8,3% K2O
    Calcium (Ca): 2,0%
  • 2,8% (CaO)
    Magnesium (Mg): 1,0%
  • 1,6% (MgO)
    Schwefel (S): 1,1%
  • 2,8% (SO3)
    Bor (B): 0,007%
    Kupfer (Cu): 0,001% Cu
    Eisen (Fe): 0,03% (DTPA)
    Eisen (Fe): 0,02% (EDDHA)
    Mangan (Mn): 0,02%
    Molybdän (Mo): 0,007%
    Zink (Zn): 0,007%
    Silicium (Si): 0,05%

Wir sehen Stickstoff wird zum überwiegenden Teil als Nitrat (NO3) bereitgestellt.

Phosphor in Form von Phosphorpentoxid P2O5

Kalium in Form von Kaliumoxid K2O

Calcium in Form von Calciumoxid CaO

Usw…

Jetzt vergleichen wir das mal mit Canna Bio Vega

Gesamt Stickstoff: 2,5%
Organisch gebundener Stickstoff 2,3%
Gesamptphosphat (P2O5) 1,0%
Gesamtkaliumoxid (K2O) 5,3%

Leider hält sich Canna sehr zurück mit der Angabe von Inhaltsstoffen.
In Vorbereitung dieses Beitrags habe ich Canna angeschrieben und nach dem organisch gebundenen Stickstoff gefragt und um eine genaue Aufschlüsselung gebeten, leider keine Antwort.
Das gleiche leider auch bei Plagron.
Es wird sich um Proteine und Aminosäuren handeln. Welche genau bleibt geheim…

Betrachten wir mal Plagron Alga Grow

Gesamt Stickstoff
Organisch gebundener Stickstoff 4,2%
Phosphor
Phosphorpentoxid (P2O5) 2,0%
Kalium
Kaliumoxid (K2O) 4,3%

Oder BioBizz Bio-Grow
Gesamt Stickstoff (N): 4,0%
Nitrat-Stickstoff (NO3): 2,3%
Ammonium-Stickstoff (NH4): 1,66%
Phosphorpentoxid (P2O5): 3,0%
Kaliumdioxid (K2O): 6,0%

Aber was fällt jetzt auf? Phospaht und Kalium liegen in der gleichen Form wie in mineralischen Düngern vor.
Gleiches gilt auch für die Mikronährstoffe.

Bei der Aufbereitung hat mich BioBizz überrascht. Hier handelt es sich nicht mal um organisch gebunden Stickstoff. Auch hier wird direkt NO3 verwendet.

Das spiegelt auch meine generelle Meinung zu dieser organischen Geschichte wider.
Es ist einfach Augenwischerei. Wie kann etwas als organisch oder biologisch gelabelt werden, wenn gerade mal eine einzige Komponente aus organischen Verbindungen besteht.

1L Canna Bio Vega kostet 14,90€
1L Canna Terra Vega Kostet 11,90€

Das ist ein Preisunterschied von 20%.
Da stellt sich mir die Frage wofür?

Ob ich in meiner Erde jetzt einen kleinen Teil der Nitrifikationskette abbilde oder gleich Nitrat zugebe ist für mich gehüpft wie gesprungen.

NO3 bleibt nun mal NO3 wie auch immer das jetzt gelabelt wird.

Wenn man wirklich „organisch“ anbauen möchte, ist der Ansatz den Living Soil verfolgt der wirklich ehrliche Weg.
Hier versucht man die ganzen Stoffkreisläufe in seinem Medium abzubilden.

Den gesamten Stickstoffkreislauf, Phosphorkreislauf, etc…
Dem System wird Biomasse zugegeben, durch Destruenten zerkleinert und durch Bakterien und Pilze mineralisiert, wodurch Nährstoffe für die Pflanze bereitgestellt werden.

Diese Anbaumethode ist m.M.n. die Königsklasse, da der Anbau wahnsinnig komplex wird und mögliche Fehlerquellen schwer ausfindig zu machen sind.
Bei dem ständig laufenden Prozess der Umwandlung von Biomasse zu verwertbaren Nährstoffen sind unzählige Organismen beteiligt.

Jetzt bin ich mal sehr gespannt auf eure Meinungen und hoffe auf eine rege Diskussion.

:v:

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Hallo @green_buddy,

ich bin noch neu hier und nicht so versiert wie Du / Ihr. Frage: Was ist denn mit Düngern wie z.B. Algenkalk oder Hornmehl - sind das nicht organische Dünger?

VG :waving_hand:

Also ich vermute eher das sie die wirksamen Anteile angeben müssen also was steht nach Umwandlung der pflanze zur Verfügung nicht das genau der Stoff enthalten ist zum Beispiel bei hornspänen liegen Hornspäne vor nicht mehr und nicht weniger trotzdem wird angegeben wieviel n-p-k vorhanden ist

Plants Garden GIF by 1000things

Moin @andreas12 und @Manni

Algenkalk und Hornspäne sind definitiv organische Düngemittel.

Horndünger ist in seiner Wirkung auf den pH-Wert des Bodens neutral, aufgrund seiner organischen Herkunft sehr stickstoffhaltig, der Stickstoffgehalt (N) überwiegt mit 12 % bis 15 %. K2O und P2O5 liegen unter 1 % Massenanteil.

Sprich wenn mehr Phosphor und Kalium angegeben ist, wurde es zugesetzt.

Algenkalk ist eine gute Calciumcarbonat CaCO3 und Magnesiumcarbonat MgCO3 Quelle.

Bedarf natürlich wieder der Umwandlung durch entsprechende Organismen.

Ich beziehe mich in dem Beitrag auch auf diese Out of the Bottle Produkte.

:v:

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Auch bei den out off the bottle Produkte kann dann zbs Hornmehl usw verwendet werden Melasse Honig und vieles mehr die Deklaration sieht dann trotzdem so aus das die entgültigen nährstoffe aufgezählt werden

Aber ja würde auch behaupten das mineralisch und organisch viel zusammen gepanscht wird man sieht es meistens auch an der Farbe

Kann ich eigentlich nur zustimmen. Einzig sinnvolle Unterscheidung ist doch Bodenleben füttern vs. Pflanze füttern. Oder irgendwas dazwischen.

Glaube ja, wir neigen dazu, alles komplizierter zu machen als es ist. Mag sein, dass man die letzten 5% Ertrag nur rauskitzelt, wenn man alle Kreisläufe perfekt auf die Pflanze abgestimmt nachstellt. Die Natur funktioniert aber eher nach dem Prinzip „gut genug“. Wenn man das als Axiom nimmt, isses eigentlich nicht sehr aufwendig. Ernte ist dann in aller Regel auch gut genug. Und die ganz großen Mängel hab ich mit der „gut genug“-Methode noch nicht produzieren können.

Wichtig sind halt große Töpfe. Wie in der Natur wurzelt sie dann so, dass sie das bekommt, was sie gerade braucht. Das weiß die Pflanze allemal besser als ich.

Königsklasse ist für mich eher Hydroponik. Da gibt es keinen Speicher, keinen Puffer, nichts, was in der Erde vielleicht doch irgendwo drin ist oder nachproduziert wird, ohne dass ich das weiß. Was ich nicht gezielt gebe, hat sie nicht. Was ich zu viel gebe, muss sie verdauen. Punkt. Da muss man dann wirklich exakt wissen, was und wieviel sie gerade braucht.

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Wahnsinn, wie du dich auskennst! Bist du Chemiker?

Ich finde deine Aussage schlüssig und kenne mich zu wenig aus, um sowas zu checken. Was ist dann deine Schlussfolgerung? Welche Dünger kannst du empfehlen? Was hältst du dann von Algen und Bat Guano?

LG aus dem Süden
FG

Da bin ich auch ganz bei dir @Shivva

Es gibt kein besseres Vorbild als die Natur selbst.

@FestucaGigantea
Es ist nicht so, dass ich sage mal soll bestimmte Dünger nicht benutzen.
Mich ärgert es einfach, wenn man mit der Unwissenheit von Leuten Kasse macht.
Ich mein die Dünger funktionieren, so ist es ja nicht.

Aber ich hab hier schon so viele Growreports gesehen die auf solche scheinbar „organischen“ Dünger setzen.

Hinsichtlich des Endproduktes sehe ich keinen Unterschied zwischen den mineralischen und organischen Düngemitteln.

@Manni

Ganz so einfach dürfen es sich die Hersteller nicht machen. Wie gewohnt gibt es in Deutschland für alles eine Verordnung. Bei Düngern ist es die DüMV

Mineralische Düngemitteltypen

Mineralische Düngemitteltypen werden im deutschen Düngemittelrecht (Typenliste Anl. 1 Abschnitte 1,2, 4 und 5 DüMV). Es handelt sich dabei um Düngemittel, welche die Nährstoffe in mineralischer Form enthalten. Sie werden industriell durch Extraktion oder andere physikalische bzw. chemische Verfahren gewonnen. Entsprechend wurden diese Düngemittel früher als „Kunstdünger“ bezeichnet. Dünger, welche die drei Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphat und Kalium enthalten, werden oft „Volldünger“ genannt. Mineralische Düngemittel werden in fester und in flüssiger Form angeboten.

Organische und Organisch-mineralische Düngemittel

Zusätzlich werden im deutschen Recht auch Organische und Organisch-mineralische Düngemittel geregelt (Anl. 1 Abschnitt 3 DüMV). Sie enthalten organische Substanz und die Nährstoffe liegen zumindest teilweise in organischer Form vor. In diese Stoffgruppe fallen Komposte oder Gartendünger, die z.B. Hornspäne enthalten. Organisch-mineralische Düngemittel sind organische Dünger, denen gezielt eine mineralische Komponente zugesetzt wurde. Hierdurch soll eine ideale Nährstoffzusammensetzung für bestimmte Anwendungen erreicht werden.

Eigentlich müssten diese „out of the Bottle“ Dünger als organisch - mineralisch gekenzeichnet werden.

Wenn wie bei Algenkalk CaCO3 (Calciumcarbonat) drinnen ist dann muss es auch als solches angegeben werden.

In der Landwirtschaft schaut das dann so aus:

:v:

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Find ich auch ärgerlich. Habe auch schon in Dünger investiert, wobei der Tomatendünger vom Baumarkt es wohl auch getan hätte^^

Vielleicht ließe sich hier eine Übersicht erstellen, wo man gute und preiswerte Dünger von verschiedenen Anbietern auflistet? Man könnte auch Alternativen zum höherpreisigen Produkt direkt verlinken, wenn die Alternative die gleichen oder ähnliche Inhaltsstoffe hat. Vielleicht auch aufdecken wo greenwashing betrieben wird. Dann könnten Leute wie ich sich da schlau machen :smiley:

Dieser Thread ist schon ziemlich gut, aber nur auf Baumarktdünger bezogen:

Sammelthema: Baumarktdünger

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Das Problem ist häufig ja nichtmal der Preis. Viele Dünger sind nicht teurer, als das, was man im Baumarkt kriegt. Mich stört eher die Tendenz, dutzende verschiedene Produkte absetzen zu wollen. Hier noch ein Wässerchen, hier noch ein Pülverchen, das leppert sich, und ist am Ende von geringem bis garkeinem Effekt. Paradebeispiel BioBizz.

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Die Leute sind halt unsicher. Unsicheren Leuten kann man gut was verkaufen, das eine klare Struktur gibt.

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@bergrow da hast du absolut recht.

Man siehe nur Advanced Nutrients…
Wenn man da alles nutzt was die anbieten… :sweat_smile:

@Shivva
ja wenn ich da an meine Anfänge zurück denke…
Kein Plan von nichts, aber eine Bandbreite an Produkten die einen förmlich erschlägt.

Ich finde das Green Washing einfach nur traurig…
Die Leute wollen, von der Idee her, ja nur auf eine natürliche Art Pflanzen kultivieren.

Unterm Strich ist ja irgendwie alles natürlich, wir reden über Stoffe die allesamt in der Natur vorkommen, in welcher Art auch immer.

Mal abgesehen von diesen Pflanzenwachstumsregulatoren und so nem Dreck

:v:

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Trifft es sehr gut auf den Punkt.

Nachdem bei organischer Düngung Nitrat-Stickstoff (NO3) oder Ammonium-Stickstoff, (NH4) in Stickstoff, Phosphorpentoxid (P2O5) in Phosphor und Kaliumdioxid (K2O) in Kalium umgewandelt wurden, sind es die gleichen Nährstoffe wie bei mineralischer Düngung.

Die Moleküle bei mineralischen und organischen Dünger haben eine identische Skelettformel.

Hier noch ein sehr interessantes Video zu dem Thema von Robert Pavlis Autor von 8 Büchern & Garden-Youtuber.

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Ich formuliere hier stellvertretend für viele Grower mal folgende Fragen [mit Absicht im Grower-Jargon formuliert]:

Kann man organischen und mineralischen Dünger mischen bzw. innerhalb eines Grow wechseln?

Zerstört der mineralische Dünger das Bodenleben meines organischen Grows?

Kann man organische Erde mit mineralischem Dünger nutzen?

Kann man mineralische Erde mit organischem Dünger nutzen?

Gibt es ein „kurze“ Antwort?

Ich stelle mir da so etwas wie „Ja!“ oder „Nein!“ vor :wink: … Zur weiteren Erläuterung kann man dann wunderbar diesen Thread verlinken.

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Kann man organische und mineralische Dünger mixen?

Theoretisch ja, bei den Grunddüngern würde ich es vermeiden (Nährstoffhaushalt), bei der Zugabe von Einzelnährstoffen (welche nur mineralisch angeboten werden) ist das kein Problem.

Kann man innerhalb eines Grows zwischen mineralisch und organisch wechseln?

Prinzipiell ja, der Wechsel von organisch auf mineralisch stellt kein Risiko da.
Bei mineralisch auf organisch ist Vorsicht geboten, organische Dünger brauchen ein aktives Bodenleben welches sich erst entwickeln muss. Hier in eine Unterversorgung rein zu laufen ist wahrscheinlich

Zerstört der mineralische Dünger das Bodenleben meines organischen Gross?

Definitiv Nein! Mineralische Dünger haben weder einen positiven noch einen negativen Einfluss auf das Bodenleben.

Kann man organische Erde mit mineralischen Düngern nutzen?
&
Kann man mineralische Erde mit organischen Düngern nutzen?

Ja kann man! Erwähnenswert ist hier nur das es sowas wie mineralische Erde nicht gibt. Erde ist Erde (ganz banal formuliert)

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Ich muss die Studie dazu erstmal raussuchen aber soweit ich weiß wurde eindeutig festgestellt dass das mikrobiologische Leben bei organischen Medium mit mineralisch Düngen sogar am diversesten war. Ob divers jetzt gut oder schlecht ist steht da erstmal nicht zur Debatte.

Das lässt sich übrigens auch lächerlich einfach erklären:
Mineralischer Dünger ist nicht keimfrei. Mit zugabe kommt da halt das dazu was da noch so drin lebt und in der Flasche sich nebenher bildet.

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Vielen Dank für die Darstellung die ich für sehr schlüssig und sachlich halte.

Ich kann mich leider nur als jemanden outen, der auf diese Marktingmasche reingefallen ist. Werde das künftig anders angehen!

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Ich habe einen organischen Langzeitdünger und gebe vllt zwei bis dreimal salze in der Blüte so habe ich bis jetzt den wenigsten Stress und meistens Erfolg!
Kann ich nur empfehlen!
LG Ms

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Ist doch nichts neues das man überall verarscht wird. Die gesetzlich vorgeschriebenen deklarationen sind in meinen Augen eine frechheit an sich.

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Die aber, je nachdem, mineralisch oder organisch vorgedüngt sein kann.
Dazu sei auch noch erwähnt, dass bei organischer Düngung nicht garnichts sofort verfügbar ist, ich würde von 20 bis 30 % sofortige Verfügbarkeit ausgehen. Düngt man ein Substrat organisch auf, ist es daher wichtig, ordentlich (mit Drain!) anzugießen, um nicht direkt in eine Überdüngung hineinzulaufen.