Nezahat Baradari (MdB SPD) denkt an die KinderâŠ
"Sehr geehrter Herr XXX,
wir mĂŒssen hier zwei Dinge berĂŒcksichtigen. Auf der einen Seite den nachvollziehbaren Ruf nach Entkriminalisierung von Cannabis, da Konsumenten erst recht in die KriminalitĂ€t abrutschen und eine kriminelle âKarriereâ machen könnten.
Auf der anderen Seite steht die vollstĂ€ndige Legalisierung, die ich im vorliegenden Gesetzentwurf im Hinblick auf den Gesundheits- und Jugendschutz fĂŒr unverantwortlich halte.
Ich möchte nun auf Ihre Fragen nÀher eingehen:
Zu den VolljÀhrigen gehört auch die besonders gefÀhrdete Altersgruppe der 18- bis 25-JÀhrigen. Bei jungen Erwachsenen kann der Cannabiskonsum die Entwicklung des Gehirns nachhaltig schÀdigen:
https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2781289
Ihre Argumentation, dass 93% der Konsumenten volljÀhrig sind, greift daher zu kurz.
DarĂŒber hinaus enthĂ€lt das Gesetz eine Vielzahl weiterer MaĂnahmen, deren Umsetzung ich fĂŒr problematisch halte. Das Konsumverbot auf öffentlichen PlĂ€tzen zwischen 7 und 20 Uhr sowie die Abstandsregelung von nur 100 Metern zu KindergĂ€rten, Schulen und Jugendeinrichtungen - ursprĂŒnglich waren 200 Meter vorgesehen - sind schlicht realitĂ€tsfern.
Die Grenzwerte im StraĂenverkehr sind bisher völlig ungeklĂ€rt. Bereits jetzt sind beispielsweise in Baden-WĂŒrttemberg rund 70 Prozent der Drogenfahrten auf Cannabis zurĂŒckzufĂŒhren und stellen damit eine GefĂ€hrdung der inneren Sicherheit dar.
Die Menge des Eigenanbaus in Privatwohnungen ist ĂŒberhaupt nicht kontrollierbar. Mit der ursprĂŒnglich angestrebten kontrollierten Abgabe durch lizenzierte FachgeschĂ€fte hat das nichts mehr zu tun. Die Innenminister der LĂ€nder haben zu Recht darauf hingewiesen, dass dies keinesfalls die angestrebte Entlastung der Strafverfolgungsbehörden darstellt, sondern eher eine Mehrbelastung. Der Besitz von 50 Gramm Cannabis, was etwa 150 Joints entspricht, soll nicht mehr strafbar sein. Im ersten Gesetzesentwurf waren nur 25 Gramm Cannabis vorgesehen.
Statt den Konsum einzuschrĂ€nken, hat die Ăberarbeitung des ersten Gesetzentwurfs nach der VerbĂ€ndeanhörung die Legalisierung von Cannabis bzw. den Zugang zu und den Kontakt mit der Droge Cannabis sogar deutlich erleichtert, ohne dass dies durch verstĂ€rkte PrĂ€ventionsbemĂŒhungen oder eine Erleichterung der Polizeiarbeit ausreichend kompensiert worden wĂ€re. Auch die jetzt im Haushalt beschlossenen 10 Millionen Euro fĂŒr PrĂ€ventionsarbeit bzw. DrogenprĂ€vention fĂŒr Kinder und Jugendliche sind ein schlechter Witz angesichts der geplanten Cannabislegalisierung. Das entspricht nicht einmal einem Euro PrĂ€ventionsausgaben pro Kind.
Bei Gesetzgebungsverfahren sollte versucht werden, einen breiten Kompromiss zu finden und die Mehrheit der Bevölkerung mitzunehmen. Da Kinder aber keine Lobby haben, sind sie leider auch in diesem Fall nicht nur dem Nikotin-, sondern auch dem Cannabisrauch schutzlos ausgeliefert.
Niemand kann vorhersagen, ob Cannabiskonsum bei einem Menschen eine Psychose auslösen kann oder nicht, da dies individuell verschieden ist. Den Schutz der Bevölkerung und insbesondere der Kinder als schwÀchstes Glied der Gesellschaft sehe ich durch die Legalisierung in keiner Weise gewÀhrleistet.
Mit freundlichen GrĂŒĂen
Nezahat Baradari, MdB"
âŠ
Frau Kappert-Gonther (MdB FDP) spricht erneut von einer Einigung der Fraktionen:
"Sehr geehrter Herr XXX.
vielen Dank fĂŒr Ihre Frage! Ich sehe die Dringlichkeit und teile die Ungeduld. In dieser Woche konnte der Knoten durchschlagen werden, sodass die Beschlussfassung nun erfolgen kann.
Das Gesetz ist ein Paradigmenwechsel, fĂŒr den sich viele Menschen jahrzehntelang eingesetzt haben. Wir machen Schluss mit der schĂ€dlichen Prohibition von Cannabis. Von nun an wird niemand mehr wegen des Konsums von Cannabis kriminalisiert. Wir regulieren den Eigenanbau und den gemeinschaftlichen Anbau in Cannabis Clubs.
Ein Inkrafttreten Anfang April ist zwischen den Koalitionsfraktionen besprochen und wird auch bei einer Aufsetzung innerhalb des ersten Quartals 2024 möglich sein. Die Entkriminalisierung von Millionen Cannabis-KonsumentInnen und die Erlaubnis des Eigenanbaus wird somit nach Jahrzehnten der Prohibition endlich Wirklichkeit werden.
Mit freundlichen GrĂŒĂen
Dr. Kirsten Kappert-Gonther"